St. Pölten

Erstellt am 06. April 2017, 05:58

von Mario Kern

„Haus des Lernens“ wird im März fertig. Chef von Beschäftigungsprojekt GESA bleibt bis Ende 2018, um die Arbeiten am neuen Gebäude zu begleiten.

Haben die Baustelle hinter dem bestehendenGESA-Gebäude in der Daniel-Gran-Straße im Blick:Geschäftsführer Johann Lechner (rechts) und „Fit im Handwerk“-Projektleiter Matthias Zuser auf der fertigen Fundamentplatte des Neubaus. Derzeit wird der Übergang zum Altbau (im Hintergrund) geschaffen.  |  NOEN, Mario Kern

Johann Lechner bleibt noch bis Ende 2018 GESA-Chef – ursprünglich hatte er geplant, das Beschäftigungsprojekt Ende 2017 zu verlassen. Da hätte das „Haus des Lernens“ zwischen Daniel-Gran-Straße und Maximilianstraße fertig werden sollen. „Wir mussten ein paar Details des Neubaus überdenken und die Änderung neu einreichen.“

Bis März sollte das „Haus des Lernens“ in der Daniel-Gran-Straße fertig sein. Dann will die BWSG das Areal verwerten, das die Genossenschaft seit Ende 2015 dem Beschäftigungsprojekt für seine Werkräume gratis zur Verfügung stellt.

„Das müsste sich ausgehen“, ist Lechner zuversichtlich. Die Arbeiten verlaufen aktuell zügig: Bereits Anfang Mai wird auf der fertigen Fundamentplatte der Holzriegel aufgestellt. Das Erdgeschoß des Altbaus wird gleichzeitig umgebaut und behindertengerecht gestaltet.

„Viele glauben, dass es das System auf sie abgesehen hat oder aber ‚Ausländer‘ ihnen den Job weggenommen haben.“ Johann Lechner

Ein weiterer Grund, warum Lechner bleibt, ist die Einschulung von Matthias Zuser, der seit acht Jahren bei GESA arbeitet. Er wird auf die Leitung des Beschäftigungsprojektes vorbereitet – die im Sommer des Vorjahres verpflichtete Geschäftsführerin Beatrix Beneder hatte mit Ende 2016 das Unternehmen wieder verlassen.

Zuser ist Leiter der im Jänner gestarteten Initiative „Fit im Handwerk“: Vom AMS vermittelte Langzeitarbeitslose bekommen eine Basisqualifizierung – im Bausektor mit Spezialisierung auf naturnahe Baustoffe oder im Recycling von alten Elektrogeräten. „Die Apparate kommen in den sogenannten zweiten Kreislauf: Sie werden auf Vordermann gebracht und billig an einkommensschwache Personen verkauft“, erklärt Lechner. Nach einem halben Jahr können die Projekt-Teilnehmer einen von derzeit 42 Transitplätzen einnehmen.

„Viele sind frustriert und sauer auf die Gesellschaft, weil es für sie keinen Job gibt“

Das neue Projekt bietet eine gute Vorbereitung für den Arbeitsmarkt, ist Lechner überzeugt. Genau das helfe, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu bieten: „Viele sind frustriert und sauer auf die Gesellschaft, weil es für sie keinen Job gibt“, ist Johann Lechner überzeugt.

Der GESA-Geschäftsführer beobachtet, dass ein Großteil dieser Menschen bald Sündenböcke sucht. „Sie glauben, dass das sogenannte System auf sie vergessen hat oder aber ‚Ausländer‘ ihren Job weggenommen haben.“ Lechner sieht die Politik in der Pflicht, neue Jobs oder aber ein Grundeinkommen zu ermöglichen. Sein Ansatz ist klar: „Wenn jemand eine Arbeit hat und dafür wertgeschätzt wird, schützt ihn das zum guten Teil vor politischem Extremismus.“

Das Ziel müsse sein, Menschen zu integrieren, die Leistungsanforderungen des ersten Arbeitsmarktes nicht erfüllen können. „Andernfalls schlittern viele in Kriminalität und Krankenheiten. Und das verursacht dem Staat klarerweise Kosten.“