Erstellt am 02. Dezember 2015, 10:43

von Daniel Lohninger

Österreich-Premiere: Neue OP-Technik für Bauchdialysekatheter. Österreich-Premiere am Universitätsklinikum St. Pölten: An der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1 wurde erstmals eine neue Operationstechnik zur Implantation von Bauchdialysekathetern durchgeführt.

Nach der Österreich-Premiere am Universitätsklinikum St. Pölten (von links): Prim. Dr. Martin Wiesholzer, Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1 am Universitätsklinikum St. Pölten, Bianca Hauer, Stv. Pflegedirektorin, Landesrat Mag. Karl Wilfing, Patientin Maria Groissenberger aus Kilb, DGKS Michaela Mittelstrasser, Koordinatorin Peritonealdialyse und OA Dr. Bernhard Kirsch. Foto: Landeskliniken-Holding  |  NOEN, Landeskliniken-Holding/Robert Herbst
Bei der durch Oberarzt Bernhard Kirsch entwickelten Methode erfolgt die Implantation des Bauchdialysekatheters endoskopisch mithilfe einer nur 2 Millimeter dicken Kamera.

„Der Eingriff kann somit unter örtlicher Betäubung, das heißt ohne Vollnarkose, durchgeführt werden“, erklärt Landesrat Karl Wilfing. Das ermögliche Patienten mit hohem Narkoserisiko  - zum Beispiel bei fortgeschrittenem Herzversagen - neue Behandlungsoptionen.

Patientinnen und Patienten profitieren von Therapie

Mit der sogenannten Bauchdialyse („Peritonealdialyse“) werden Patientinnen und Patienten mit Nierenversagen seit Jahren erfolgreich behandelt. Dabei wird ein Schlauch durch die Bauchdecke implantiert, über welchen danach regelmäßig eine Zuckerlösung in die Bauchhöhle gefüllt bzw. wieder abgelassen werden kann. Über das Bauchfell, die innere Auskleidung der Bauchhöhle, werden dadurch Giftstoffe und überschüssige Flüssigkeit abgegeben und in weiterer Folge aus dem Körper entfernt.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass auch Patientinnen und Patienten mit anderen Erkrankungen, neben dem chronischen Nierenversagen, von dieser Therapie profitieren. Insbesondere Menschen mit weit fortgeschrittenem Herzversagen, bei welchen andere Therapiemethoden nicht mehr greifen, profitieren oft in besonderem Maße von einer Bauchdialyse.

Leider blieb diesen Patientinnen und Patienten bisher diese Therapie oft verwehrt, da aufgrund der schweren Erkrankung eine Vollnarkose zur Implantation des Bauchdialysekatheters zu riskant war.

Am Universitätsklinikum St. Pölten wurde im Oktober 2015 erstmalig eine an der Klinischen Abteilung für Inneren Medizin 1 entwickelte, neuartige Operationstechnik zur Implantation von Bauchdialysekathetern erfolgreich durchgeführt.

„Schwerkranken zu verbesserter Lebensqualität verhelfen“

Die Operationstechnik wurde vom leitenden Oberarzt der Dialysestation, Bernhard Kirsch, Klinische Abteilung für Innere Medizin 1, federführend entwickelt und ermöglicht nun auch Patientinnen und Patienten mit weit fortgeschrittenem Herzversagen mittels Bauchdialyse zu behandeln.

„Mit der neuen Technik können wir schwerkranken Menschen mit Herzversagen zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität verhelfen“, so Kirsch, der diesen Eingriff erstmalig durchgeführt hat. Maria Groissenberger, der Patientin, welche als erste nach dieser Methode operiert wurde, geht es den Umständen entsprechend gut.

Sie leidet an schwerer Herzinsuffizienz und war vor dem Eingriff durch ständige Atemnot und massive Wasseransammlungen im Körper geplagt gewesen. Diese Symptome haben sich nun vollständig zurückgebildet. 

Der Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1 am Universitätsklinikum St. Pölten, Primar Martin Wiesholzer, zeigt sich zuversichtlich, dass in Zukunft solche Eingriffe direkt auf der Dialysestation im Eingriffsraum möglich sein werden. Die erste Operation war im Operationssaal in Zusammenarbeit mit Oberarzt Peter Luszczak von der Klinischen Abteilung für Chirurgie, unter der Leitung von Primar Universitäts-Professor Peter Götzinger, erfolgt.