Erstellt am 19. Januar 2016, 15:22

von Alex Erber

Pfarrhaushälterin bestahl die Pfarre. Diebische Elster entwendete mehr als 1.000 Euro: Vier Monate Haft.

Pfarrer Josef Seeanner im Prozess: »Mehr als 1.000 Euro fehlten in den Kassen.«  |  NOEN, Günther Schwab
Die Miete! Der Strom! Die Heizung! „Woher soll ich bloß das Geld her nehmen?“ Eine 50-jährige Traismaurerin machte es sich einfach: Sie griff ungeniert in die Kassen der Pfarrkanzlei. Deshalb musste sich die Frau nun in einem Prozess vor dem Landesgericht St. Pölten verantworten.

Die bisher Unbescholtene arbeitete seit 2013 in der Pfarre als Haushälterin: „Ich musste dort kochen, putzen, Einkäufe erledigen.“ Sie kassierte dafür 692 Euro, zu wenig, um sich Miete, Strom, Heizung leisten zu können. Die gebürtige Kirchbergerin wusste jedoch, wo sich Geld besorgen ließ. In einer Lade in der Pfarrkanzlei befanden sich zwei Fächer, eines für die Pfarre Traismauer, eines für die Pfarre Stollhofen. Sie nahm die stets kleinen Geldbeträge, sammelte sie zu Hause und bezahlte danach ihre Unkosten. „810,96 Euro fehlen in der Traismaurer Kasse, 300,92 Euro in der Stollhofner Kasse“, listete Stadtpfarrer Josef Seeanner bei seinem dreiminütigen Auftritt im Zeugenstand auf.

Die nunmehr Arbeitslose zeigte sich zum Vorwurf der Anklage voll geständig. Sie möchte den Schaden auch wieder gut machen: „Das geht in meiner Situation leider nur in kleinen Beiträgen.“

Grobe Verletzung der Unterhaltspflichten

Allerdings wirft ihr die Staatsanwaltschaft St. Pölten nicht nur die regelmäßigen Diebstähle in der Pfarrkanzlei vor, sondern auch die grobe Verletzung ihrer Unterhaltspflichten. Insgesamt 18.000 Euro sind es, die sie für ihren Sohn (mittlerweile volljährig) und ihre Tochter (geht in Deutschland zur Schule) nicht bezahlt hat. Wie auch? Sie war meistens ohne Job, teilweise nicht einmal am Arbeitsamt gemeldet.

Die Frau kassiert schließlich vier Monate bedingte Haft mit einer Probezeit von drei Jahren. Bewährungshilfe wird angeordnet. Außerdem muss sie der Pfarre Traismauer bei sonstiger Exekution den Schaden innerhalb von 14 Tagen wiedergutmachen. „Sie beging ihre Straftaten aus Not“, bat Verteidiger Oliver Simoncic um ein mildes Urteil. Tatsächlich wurden das reumütige Geständnis, der bisherige tadellose Lebenswandel und die Bereitschaft zur Wiedergutmachung des Schadens als mildernd in die Waagschale geworfen. Erschwerend waren, so Richterin Doris Wais-Pfeffer, die Mehrzahl der Diebstähle und der lange Zeitraum, in dem sie keinen Unterhalt bezahlt hat, exakt seit dem Jahr 2006.

Die Angeklagte nahm das Urteil an. Staatsanwältin Lea Hollenstein gab keine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.