Erstellt am 28. Juni 2016, 14:44

Caritas St. Pölten gegen Gewalt in der Familie. In Niederösterreich sind im Vorjahr 1.348 Wegweisungen und Betretungsverbote ausgesprochen worden.

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Das am Dienstag vorgestellte Anti-Gewalt-Programm der Männerberatung der Caritas St. Pölten soll Männer nach Wegweisungen unterstützen, ihr gewalttätiges Verhalten zu beenden.

Dabei geht es laut der Aussendung in 20 Einheiten strukturierter Arbeit im Einzelsetting um eine Mischung aus Information, Konfrontation und Reflexion. Aufgezeigt werden alternative Möglichkeiten, künftig mit schwierigen Situationen umzugehen - statt zuzuschlagen. "In die Männerberatung kommen Männer aus eigenem Antrieb und häufig mit dem Thema familiäre Gewalt. Sie wollen eigenes gewalttätiges Verhalten verändern", erklärte Matthias Geitzenauer von der Männerberatung der Caritas St. Pölten.

Oberste Priorität: Opferschutz

Ein großer Teil der Opfer wird vom Gewaltschutzzentrum NÖ oder von einem der Frauenhäuser unterstützt, denn Opferschutz habe oberste Priorität, betonte die Caritas. "1.681 Frauen flohen in Österreich 2015 in ein Frauenhaus. Frauen wünschen sich, dass die Gewalt aufhört", sagte Maria Reichartzeder vom Frauenhaus Amstetten.

Das Frauenhaus fordere seit Jahren eine verpflichtende Maßnahme für Täter, sich mit ihrer Gewaltbereitschaft und deren zerstörerischen Auswirkungen auf ihr Umfeld zu konfrontieren. Auch aus der Sicht der Exekutive reiche die Wegweisung allein nicht: jene Männer bräuchten Orientierung, wie ihr künftiger Weg aussehen kann, meinte Chefinspektor Andreas Bandion vom NÖ Landespolizeikommando.

Das Programm sei opferschutzorientiert: Die Daten der Täter und der Opfer werden mit den Opferschutzorganisationen abgeglichen. Die Opfer werden über Beginn, Ende oder Abbruch des Programmes informiert und "natürlich im Falle, dass im Programm besondere Gefährdungsmomente sichtbar werden".