St. Pölten

Erstellt am 19. Juli 2016, 07:01

von Beate Riedl und Nadja Straubinger

Penis auf Rücken tätowiert. Ein 21-jähriger St. Pöltner verunstaltete eine gleichaltrige Bekannte. Mit ihr brach er auch im Stadion ein. Nun muss er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Mit einer solchen Tätowiermaschine verewigte sich der Angeklagte auf dem Rücken einer Freundin.  |  NOEN, Todor Rusinov/shutterstock.com

Wegen fünf Körperverletzungen, Diebstählen, einem Einbruch, Sachbeschädigung und Urkundenunterdrückung muss sich ein 21-jähriger St. Pöltner vor Gericht verantworten.

Eine der ihm zur Last gelegten Körperverletzungen ist dauerhaft: Einer gleichaltrigen St. Pöltnerin hat er einen Penis und das Wort „Fuck“ auf den Rücken tätowiert. Nachdem der Angeklagte auf seiner damaligen Lebensgefährtin seinen Namen verewigt hatte, hatte sich das Opfer ein Yin-und-Yang-Zeichen gewünscht. Das zeichnete der St. Pöltner auch sorgfältig auf ihrem Rücken vor und zeigte ihr ein Foto zur Bestätigung. An die Vorlage hielt er sich dann aber nicht. „Am nächsten Tag, als er das Tattoo ausbessern sollte, fügt er noch ,Pascal‘ und etwas Gekritzel dazu“, berichtete eine Zeugin.

Die 21-Jährige ist aber nicht nur Opfer. Zusammen mit ihrem „Tätowierer“, der erst im letzten Sommer aus der Haft entlassen worden war, und einer 18-jährigen St. Pöltnerin sitzt sie wegen Einbruchdiebstahls auf der Anklagebank – die ehemalige Lebensgefährtin des 21-Jährigen blieb der Verhandlung unentschuldigt fern. Zusammen sind sie in der NV-Arena in einen Kiosk eingebrochen. Lebensmittel und Zigaretten wurden dabei entwendet und später konsumiert. „Eine Kurzschlussreaktion“, so die 21-jährige St. Pöltnerin.

„Ich weiß nicht, warum ich immer zuschlage“

Die angeklagten Körperverletzungen beging der junge St. Pöltner immer unter Alkoholeinfluss. „Warum schlagen Sie immer gleich zu“, fragt Richter Grünberger den Angeklagten. Dieser antwortet: „Ich weiß es nicht.“ Ausgeschlagene Zähne, Gehirnerschütterung und Prellungen waren bei den Opponenten die Folge.

Staatsanwältin Barbara Kirchner beantragt die Unterbringung in einer Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Was der Angeklagte dazu sagt, wollte Grünberger vom 21-Jährigen wissen: „Das finde ich nicht gut.“ Ob er denn nicht glaube, dass er an sich arbeiten müsse und eine Therapie brauche, fragt Grünberger weiter. „Schon, aber nicht in der Form“, so der Angeklagte, der sich bei der Urteilsverkündung reumütig zeigt: „Es tut mir leid, was ich getan habe.“

Der 21-jährige St. Pöltner wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt – und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Erschwerend sah Richter Markus Grünberger die Vorstrafen und dass weitere Taten in der Probezeit verübt wurden, mildernd wertete er das Geständnis und das Gutachten des Sachverständigen, der dem jungen Mann eine schwere Persönlichkeitsstörung attestierte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

Seine Mittäterinnen bei dem Einbruch wurden ebenfalls verurteilt: Die 21-Jährige fasst vier Monate bedingte Haftstrafe aus, die 18-Jährige drei Monate.