Erstellt am 20. April 2017, 05:14

von Daniel Lohninger

Kastener federführend bei NÖM-Übernahme. Obmann Johann Krendl will mit den 3.300 Bauern, den Anteil von 25 auf 100 Prozent aufstocken.

Johann Krendl will mit der Milchgenossenschaft Niederösterreich noch heuer die NÖM zu 100 Prozent übernehmen.  |  NOEN, leadersnet.at/A. Felten

Die NÖM, Österreichs zweitgrößter Molkerei-Konzern, könnte schon bald im Besitz der Molkereigenossenschaft Niederösterreich (MGN) sein. Einstimmig legten sich Vorstand und Aufsichtsrat in der Vorwoche fest, dass die 3.300 Milchbauern den 75-Prozent-Anteil der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien übernehmen wollen.

Wir haben den Anspruch, dass wir alleiniger Lieferant der NÖM sind"

Wichtigster Akteur auf Seite der Milchbauern ist Johann Krendl aus Kasten, der seit 2012 Obmann der MGN ist. „Wir haben den Anspruch, dass wir alleiniger Lieferant der NÖM sind. Diesen Anspruch können wir dauerhaft nur absichern, wenn uns die NÖM gehört“, erklärt Krendl. Insgesamt liefern sechs von zehn NÖ-Milchbauern ihre Milch an die NÖM, im Bezirk St. Pölten etwa 90 Prozent.

Sukzessive haben die Milchbauern seit 1999 ihren Anteil von 6 auf 25 Prozent erhöht. Mit der kompletten Übernahme der NÖM wollen die Genossenschaftsbauern sicherstellen, dass sie unabhängig von möglichen Entwicklungen der Eigentümerstruktur ihren Absatz gesichert haben. Krendl: „Wir wissen natürlich, dass wir als 100-Prozent-Eigentümer auch das 100-prozentige Risiko tragen werden. Aber wir haben dann auch alle Entscheidungen selbst in der Hand und mehr Gestaltungsspielraum.“

Konkrete Verhandlungen stehen an

Demnächst stehen konkrete Verhandlungen mit der Raiffeisen-Holding an. Deren Obmann Erwin Hameseder zeigte sich bei der Generalversammlung der MGN gesprächsbereit. Krendl hofft, die Übernahme bis Ende des Jahres unter Dach und Fach zu haben.

Finanziert werden soll der Deal einerseits durch Kredite, andererseits durch die Erhöhung des Genossenschaftsanteils der MGN-Milchbauern über acht Jahre von zwei auf zehn Cent. Ein Geschäftsanteil für die durchschnittliche Jahresanlieferung von 125.000 Kilo Milch entspricht derzeit daher 2.500 Euro. Die 3.324 MGN-Mitglieder zusammen halten somit in Summe Anteile im Wert von 8,1 Millionen Euro.