Erstellt am 18. Oktober 2016, 04:14

von Daniel Lohninger

Umstrukturierung: Neuer Bezirk ist startklar. Mit 1. Jänner 2017 ändert sich vieles bei Rettung, Feuerwehr, AMS, Politik und Behörden.

Unter dem Motto „Zusammenkommen, zusammenwachsen“ lud St. Pöltens Stadtchef Matthias Stadler (rechts) die Bürgermeister des Bezirkes St. Pölten-Land ins Rathaus. Mit dabei waren auch Karl Schlögl aus Purkersdorf, der mit knapp 9.600 Einwohnern in Zukunft die größten Stadt im Land-Bezirk, sowie Claudia Bock aus Wolfsgraben.  |  Wolfgang Mayer

Mit der Auflösung des Bezirkes Wien-Umgebung und der Integration der Region Purkersdorf in den Bezirk St. Pölten-Land wird es ernst. Bei einem Treffen der Bürgermeister im Büro von St. Pöltens Stadtchef Matthias Stadler wurden Details der Umstellung besprochen.

Die Zustimmung zur Bezirksreform ist groß, fasst Stadler zusammen: „Die Herausforderungen für die Kommunen sind vielfältig, gemeinsam haben wir mehr Kraft und kommen schneller zu Lösungen.“ Etwa 30.000 Einwohner mehr werden ab Jänner im Bezirk St. Pölten wohnen.

183.000 Hauptwohnsitzer leben dann in Stadt und Bezirk St. Pölten. Durch die Westbahnstrecke und die Westautobahn ist das die Wirtschaftsachse des Landes, betont Schlögl: „Die Verbindungen nach St. Pölten sind deutlich besser als nach Klosterneuburg – ein großer Vorteil für die Purkersdorfer.“

 „Gemeinsam haben wir mehr Kraft und kommen schneller zu Lösungen.“

Matthias Stadler, St. Pölten 

Im Detail bringt die Erweiterung des Land-Bezirkes in mehreren Bereichen spürbare Neuerungen mit sich:

Bezirkshauptmannschaft: Die Gemeinden Purkersdorf, Pressbaum, Wolfsgraben, Tullnerbach, Gablitz und Mauerbach fallen ab 1. Jänner 2017 in die Zuständigkeit der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten-Land, Purkersdorf wird neben Neulengbach und Kirchberg zur dritten Außenstelle. Von der Bezirkshauptmannschaft in Klosterneuburg wechseln 15 Mitarbeiter nach St. Pölten. Für die Stadt selbst bleibt wie bisher der Magistrat zuständig.

Einsatzorganisationen: Die Region Purkersdorf wird bei den Einsatzorganisationen in die Bezirksorganisation St. Pölten eingegliedert.

Die Zahl der Feuerwehren steigt damit auf 126, der Mitgliederstand im Bezirk von 7.647 auf 10.827. Der Katastrophenhilfsdienst des Bezirkes wird um einen Zug mit Sitz in Purkersdorf erweitert. Zudem werden die Alarmpläne, beispielsweise für die Autobahn, überarbeitet. Die Alarmzentrale in Purkersdorf bleibt vorerst bestehen. „Wir freuen uns auf die neuen Kameraden des Abschnittes Purkersdorf“, erklärt Bezirkskommandant Georg Schröder. Die Zusammenarbeit sei bereits in den vergangenen Monaten intensiviert worden.

Beim Roten Kreuz steigt die Zahl der Mitarbeiter von 850 auf 1.200. Im Bezirksführungsstab ist Purkersdorf informell bereits dabei. Praktische Vorteile erwartet sich Bezirkskommandant Wolfgang Brückler vor allem bei der Nutzung von Spezialgeräten. So verfüge St. Pölten über ein Medizinisches Großunfallset – das könne künftig auch vom Purkersdorfer Roten Kreuz genutzt werden. Umgekehrt hat Purkersdorf eine Führungsunterstützungseinheit („fahrende Kommandozentrale“), die künftig auch in St. Pölten genutzt werden könne. „Bei großen Szenarien bringt der größere Bezirk natürlich ebenfalls deutliche Vorteile“, so Brückler.

AMS, Finanzamt und Gericht: Die Region Purkersdorf wird in das AMS St. Pölten eingeliedert. Dafür werden Mitarbeiter vom bisher zuständigen Servicecenter in Tulln nach St. Pölten übersiedeln. Der Umbau der Räumlichkeiten in St. Pölten ist bereits angelaufen. Nicht fix, aber wahrscheinlich ist, dass auch die Zuständigkeit des Finanzamts für Purkersdorf wechselt – von Wien nach St. Pölten. Nichts ändern wird sich hingegen bei den Zuständigkeiten der Bezirksgerichte.

Politik: Im Verfassungsausschuss wird diese Woche die Neueinteilung der Wahlkreise beschlossen. Sowohl die Gemeinden um Purkersdorf als auch Klosterneuburg kommen zum Nationalratswahlkreis NÖ-Mitte, der die Bezirke St. Pölten-Stadt/Land sowie Tulln und Lilienfeld umfasst. Die 55.000 Einwohner mehr bringen voraussichtlich mit sich, dass die Zahl der Grundmandate von fünf auf sieben steigt. Bei Landtagswahlen kommt die Region Purkersdorf zum Wahlkreis St. Pölten, Klosterneuburg zum Wahlkreis Tulln.