Erstellt am 08. März 2016, 05:04

von Nadja Straubinger

Rekordjahr bei Grabungen in St. Pölten. Stadtarchäologe Ronald Risy konnte über 3.104 freigelegte Individuen amDomplatz berichten. Aber auch abseits der größten Grabung gab es historisch wertvolle Funde.

Matthias Stadler und Ronald Risy berichteten von den Ausgrabungen auf dem Domplatz und an anderen Orten.  |  NOEN, Straubinger

2015 war ein Rekordjahr, was die Freilegung Individuen betrifft, berichtete Stadtarchäologe Ronald Risy in seinem Rückblick. Die Überreste von 3.104 Verstorbenen wurden im Vorjahr dokumentiert, insgesamt sind es damit fast schon 10.000.

„Highlight am Domplatz waren die Glockengießgruben“, weiß Risy. Unmittelbar vor der Südseite der Domkirche kam ein breites Spektrum an Funden aus der Römerzeit zutage, etwa eine fast vollständig erhaltene Fußbodenheizung, ein spätantiker Brunnen sowie eine den römischen Verwaltungspalast einrahmende Porticus, die auf einem Fundament aus hunderten Rundhölzern errichtet wurde.

Die neue Grabungsstelle am Domplatz wird nach der Winterpause bearbeitet, sobald das Wetter mitspielt. Nach dem Abschluss dieser kleinen Grabung – das soll noch vor Ostern erledigt sein – geht es im Südwesten des Domplatzes weiter. „Dort werden wir wieder die Plattform aufstellen. Interessierte haben dann die Möglichkeit, bei der Arbeit zuzusehen“, stellt der Stadtarchäologe in Aussicht.

„Die Untersuchungen sind nicht willkürlich initiiert"

Gegraben wurde im Vorjahr aber auch abseits des Domplatzes. Der anhaltende Bauboom in St. Pölten habe das notwendig gemacht. Denn, so Risy: „Die Untersuchungen sind nicht willkürlich initiiert, sondern aufgrund der Gesetzeslage durchgeführt worden.“

Bei einem Bauvorhaben in Pottenbrunn der Heimat Österreich wurde beispielsweise ein bisher unbekanntes mittelbronzezeitliches Gräberfeld entdeckt (die NÖN berichtete). In der Maximilianstraße stießen die Archäologen überraschend auf einer Fläche von 10.700 m auf Siedlungsspuren aus dem späten Neolithikum, der frühen und mittleren Bronzezeit sowie der römischen Kaiserzeit. Mit der Grabung in der Schulgasse 4 konnte der einzige bisher noch nicht archäologisch nachgewiesene innerstädtische römische Straßenzug in seiner Lage fixiert werden. Und: In der Schmiedgasse 10 wurde entdeckt, dass das Gebäude auf den Resten er spätmittelalterlichen Stadtmauer errichtet worden ist.

Archäologie: Kernthema der Stadtentwicklung

2018 soll der Domplatz fertig sein. Die Funde der Archäologen sollen aber weiter im Fokus bleiben. „Von den Grabungen wissen wir, dass im nördlichen Bereich ein römisches Badehaus stand, das in seiner Form und Größe einzigartig im gesamten Römischen Reich war“, ist Bürgermeister Matthias Stadler begeistert. Dieses soll von den Architekten eingearbeitet werden. „Es soll ein Anziehungspunkt für St. Pöltner und Touristen entstehen“, so Stadler.

Grabungen am Domplatz

  • 907 Tonnen Erdmaterial wurden händisch abgegraben.

  • 3.104 Individuen wurden 2015 freigelegt.

  • 4.300 Einzelbefunde, die mehr als 35.000 Einzelstücke enthalten, wurden gesammelt.

  • 40.000 Fotos wurdengemacht.