Erstellt am 29. September 2015, 06:32

von Mario Kern

"Schau zeigt einem, wozu Krieg führt". Das Stadtmuseum zeigt in "St. Pölten 1945" die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, Schicksale und neue Erkenntnisse. St. Pölten 1945

Relikte aus der St. Pöltner Kriegsvergangenheit: Stadtmuseumsleiter Thomas Pulle mit den von Heinrich Wohlmeyer zur Verfügung gestellten Reservetanks, die der St. Pöltner als junger Bursche zu Booten umbauen ließ.  |  NOEN, Kern

Mit aktuellen, noch nie präsentierten Erkenntnissen greift die neu eröffnete Ausstellung „St. Pölten 1945“ im Stadtmuseum das Kriegsende, die Ereignisse davor und die Entwicklungen danach auf. Etwa die Geschichte des Zwangsarbeiterlagers für bis zu 800 Menschen am Glanzstoff-Areal. „Wahrscheinlich mussten dort über die Zeit Tausende Schwerstarbeit verrichten“, erklärt Stadtmuseumsleiter Thomas Pulle.

"Das alles führt einem ganz nachhaltig vor Augen, wozu Krieg führt“

Hunderte Fotografien, Dokumente und Ausstellungsstücke zeichnen in der Schau ein bewegendes Bild. „Das alles führt einem ganz nachhaltig vor Augen, wozu Krieg führt“, schlägt Pulle einen Bogen zur Kriegs-Gegenwart im Nahen Osten.

Die jüngsten Ergebnisse aus den Arbeiten für die Ausstellung sind reichhaltig: Pläne für Luftschutzkeller in St. Pölten reichen bis ins Jahr 1938, die Zeit nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. „Da hatte man offenbar schon mit einem Luftkrieg gerechnet.“ 20 erstmals ausgestellte Pläne dokumentieren Keller unter dem Rathaus, einen Lazarett-Bunker beim Mamauer Kellerweg und einen Keller für bis zu 470 Personen unter dem ehemaligen Schiller-Gymnasium.

In fünf Kapiteln wurde das Geschehen aufbereitet

In fünf Kapiteln – „Luftschutz“, „Zerstörungen in der Stadt“, „Widerstand, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter“ und „Besatzungszeit“ sowie „Wiederaufbau“ – hat Pulle mit seinem Team das Geschehen vor 70 Jahren aufbereitet.

Ausgestellt sind zudem Erinnerungen an Ermordungen durch Nazis und Russen. Relikte wie Kellertüren aus dem Dom-Areal, Verdunkelungsbirnen, der zuletzt gefundene Bomben-Blindgänger und zu Booten umfunktionierte Flugzeug-Tanks machen die Zeit begreifbar und bringen einem die berührenden Schicksale St. Pöltner Bürger näher. Wie auch jenes der vier Radlberger Buben, die eine Woche nach Kriegsende beim Fund einer Panzerfaust ums Leben kamen 


St. Pölten 1945 - Die Ausstellung

Die Sonderausstellung kann bis 13. März 2016 mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Führungen sind nach Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.