Erstellt am 19. April 2016, 07:17

von Claudia Stöcklöcker

Schweinezüchter schlachteten schwarz. Bauernfamilie produzierte illegal und verkaufte Fleisch mit gefälschtem Beschaustempel. Betrug gestehen die Angeklagten nicht.

NOEN

"Wir hatten nie ein schlechtes Gewissen. Wir haben gewusst, unsere Ferkel sind super“, sagt ein Schweinezüchter aus dem Stadtgebiet im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

146 Schweine schlachtete er mit seiner Familie illegal in seinem Betrieb, verkaufte das Fleisch mit gefälschtem Stempel und landete wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Vergehen nach dem Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz vor dem Richter. Geständig ist der Züchter samt Familie nur zu Letzterem.

„Wenn Betriebe sich nicht an Vorschriften halten, ist Geschlachtetes wertlos.“ 

Für Staatsanwältin Michaela Obenaus steht die Schuld in beiden Anklagepunkten fest: „Ein Schlacht- und Kühlraum wurde eingerichtet, der war behördlich nicht genehmigt. Im Internet wurde ein Fleischbeschaustempel bestellt und so manipuliert, dass er aussieht wie vom Amtstierarzt“, erklärt die Anklägerin.

Und Obenaus weiters: „Wenn Betriebe sich nicht an Vorschriften halten, ist Geschlachtetes wertlos.“ Den Schaden beziffert sie mit 143.000 Euro.

Anders sieht das Verteidiger Christian Reiter. Für ihn ist der Tatbestand des Betrugs nicht erfüllt. „Der Ankauf des Stempels war ein Riesenfehler. Aber das Fleisch war von bester Qualität, es gab keine B-Ware. Schwarz geschlachtet wurde nur, weil es keine flexible Beschau gegeben hat“, so der Rechtsanwalt.

Weil es immer weniger Schlachthöfe gebe, hätten die Angeklagten nicht flexibel auf die größer werdende Nachfrage von Kunden reagieren können. Der Richter vertagt, im Mai wird der Prozess fortgesetzt.