Erstellt am 29. September 2015, 10:32

von Jutta Streimelweger und Birgit Kindler

Shisha-Verbot? „Dann raucht man daheim“. Jugendliche glauben, dass das neue Gesetz nicht vom Shisha-Kosum abhalten wird.

Elena Lechner, Harald Kaswurm, Jacqueline Karner, Nicole Knierer, Marvin Wallner, Shamsa Tarrer und Zoe Tot rauchen gerne Shisha. Foto: Kindler  |  NOEN, Birgit Kindler

In der vergangenen Woche hat der NÖ Landtag beschlossen, ein Wasserpfeifen-Verbot in das Jugendgesetz aufzunehmen. Das bedeutet, dass Jugendliche unter 16 Jahren Wasserpfeifen – oder Shishas, wie sie auch genannt werden – weder erwerben noch konsumieren dürfen.

Parallel dazu wurden Wasserpfeifen wie auch E-Zigaretten in die Tabakgesetz-Novelle 2015 aufgenommen und dürfen ab 1. Mai 2018 auch in der Gastronomie nicht mehr konsumiert werden.

Eine kürzlich veröffentlichte Schülerbefragung über „Rauchgewohnheiten in NÖ“ hat ergeben, dass 31 Prozent der Kinder und Jugendlichen regelmäßig Shishas und 22 Prozent regelmäßig E-Shishas rauchen.

Die NÖN hat Lokalbetreiber, Ärzte und Lehrer gefragt, was sie davon halten.

x  |  NOEN, dpa/Peter Steffen
REGION ST. PÖLTEN | „Mit diesem Verbot stirbt ein Geschäftszweig. Aber man muss sich dem Gesetz sowieso beugen, es bleibt einem nichts anderes übrig“, resigniert Michael Wohlgemuth, Geschäftsführer der Shisha-Bar Zaza in St. Pölten. „Vor allem die 200 Shisha-Bars in Wien wird das Verbot sehr schwer treffen“, ist Wohlgemuth überzeugt.

Jetzt werde man das neue Gesetz ganz genau durchsehen und jene Wege ausloten, die möglich seien. „Bis zum 1. Mai 2018 bieten wir bei uns auf jeden Fall noch Wasserpfeifen an“, sagt Wohlgemuth.

Natürlich müsse man sich aber auf die Zeit danach vorbereiten und das Geschäftsmodell ändern. Man werde sich künftig eben auf Cocktails spezialisieren. „Schade finde ich es trotzdem für St. Pölten, dass es künftig keine Shisha-Lokale mehr gibt.“

„Beim Shisha-Rauchen geht es um Geselligkeit“

Dass die Jugendlichen durch dieses Verbot weniger rauchen, glaubt Wohlgemuth nicht. Auch die Jugendlichen im Lokal teilen diese Ansicht. „Beim Shisha-Rauchen geht es um Geselligkeit. Wenn man im Lokal nicht mehr rauchen darf, dann macht man es eben in der Runde zu Hause“, ist Shamsa Tarrer überzeugt.

Als Einstiegsdroge sehen die Jugendlichen die Wasserpfeife nicht. „Zuerst kamen bei den meisten Alkohol und Zigaretten. Die Shisha erst später“, ist Zoe Tot überzeugt.

Auch Felix Buchner, Schulsprecher am BRG/BORG St. Pölten weiß, dass Shisha-Rauchen, unter den Schülern durchaus verbreitet ist. „Ich denke, dass auch viele BORG-Schüler schon einmal eine Shisha ausprobiert haben, aber der Hype an unserer Schule ist eher gering.“



Das bestätigt auch Direktor Hans Angerer: „Bisher gab es keinen Zwischenfall, im tolerierten Raucherhof wurde noch kein Schüler gesehen.“ Wahrscheinlich seien auch die Pausen für das Rauchen von Wasserpfeifen zu kurz, denkt Angerer.

Was für die Schüler an den Wasserpfeifen verlockend sein könnte, weiß Schulsprecher Felix Buchner: „Wahrscheinlich die verschiedenen Geschmacksrichtungen und natürlich das Rauchen an sich“, sagt Buchner. Die meisten Schüler würden außerdem denken, dass Shishas um ein Vielfaches gesünder wäre als Zigaretten.

„Der Konsum und Erwerb von Wasserpfeifen
sollte erst ab 18 Jahren erlaubt sein.“
Bernhard Angermayr, Leiter von
Ärzte im Zentrum

Wie gefährlich es ist, Wasserpfeife zu rauchen, darüber wissen die St. Pöltner Ärzte Bescheid. „Die Nikotinaufnahme ist bei Wasserpfeifen deutlich höher“, sagt Florian Fiedler, Internist in St. Pölten.

Nach dem Rauchen einer Shisha sei die Nikotinkonzentration größer als nach dem Konsum von 20 Zigaretten in sieben Stunden. „Außerdem wird auch der Rauch stärker inhaliert und die beigefügten Fruchtaromen verharmlosen den Konsum“, ist Fiedler überzeugt.

x  |  NOEN, Birgit Kindler
Das Wasser habe im Übrigen keine Filterwirkung und durch das gemeinsame Mundstück könnten Krankheiten wie Herpes oder Helicobacter pylori übertragen werden. „Zudem können bei Jugendlichen Wasserpfeifen der Einstieg in Suchtverhalten, zum Beispiel Zigarettenrauchen, sein“, meint Fiedler.

Dem stimmt auch Bernhard Angermayr, Leiter von Ärzte im Zentrum, zu: „Viele Jugendliche beginnen damit. Der Grund ist der kühlere Rauch und das mildere Aroma, was beides das Inhalieren erleichtert. Später wechseln sie dann zu Zigaretten.“

Das neue Gesetz hält Angermayr für halbherzig: „Der Konsum und Erwerb von Wasserpfeifen sollte erst ab 18 Jahren erlaubt sein.“ Ein wichtiger Punkt wäre für ihn auch, Rauchen in Räumen, in denen sich Kinder und Minderjährige aufhalten, komplett zu verbieten, dazu gehören für Angermayr auch Autos.