Kirchberg an der Pielach

Erstellt am 27. Juli 2016, 05:21

von Nadja Straubinger

Bürgermeister Anton Gonaus: „Immer mehr Auflagen“. Kirchbergs Bürgermeister Anton Gonaus berichtet über die Planung des Dirndlkirtags, den Europäischen Dorferneuerungspreis und Großprojekte in der Gemeinde.

Bürgermeister Anton Gonaus berichtet vom Engagement der Gemeinde in Energiefragen.  |  NOEN, Maria Prchal

Mit Bürgermeister Anton Gonaus (VP) aus Kirchberg geht es weiter bei den Dirndltaler Sommergesprächen.

NÖN: Zum dritten Mal findet heuer der Dirndlkirtag in Kirchberg statt. Wie hat sich der Organisationsaufwand seit 2004 verändert?
Anton Gonaus: Wir organisieren jetzt den zweiten Dirndlkirtag nach Rabenstein, bei dem eine Betriebsstättengenehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft notwendig ist. Es gibt mehr Auflagen und diese werden strenger geprüft. Wir sind natürlich bestrebt, dass nichts passiert. Der Sachverständige hat betont, dass wir eine super Location hier haben, weil es gute Fluchtwege gibt, etwa über den Fußballplatz und über die Badewiese. Das Areal ist heuer fast doppelt so groß wie beim letzten Dirndlkirtag in Kirchberg. Ein besonderer Höhepunkt ist heuer wieder die Wahl der Dirndlkönigin, der St. Pölten-Tag und der Auftritt der Edelseer.

Grund zum Feiern gibt es auch, weil Kirchberg beim Europäischen Dorferneuerungspreis gut abgeschnitten hat. Was bedeutet dieser Erfolg für Sie?
Für mich ist das eines der größten Dinge, die ich als Kommunalpolitiker erlebt habe. 24 Gemeinden aus 16 Nationen wurden bewertet, wir wurden in die höchste Kategorie der Gemeinden mit herausragenden Leistungen eingestuft. Es ist entscheidend, dass man sich in der Gemeinde wohlfühlt, dass sich die Bürger einbringen können und man Gemeinsamkeit erlebt. Die Dorferneuerung ist ein Schlüssel dazu. Wir haben in Kirchberg 72 Vereine und Organisationen. Die Bürgerbeteiligung ist sehr gut. Bei der Petition für das Hochwasserprojekt haben wir in nur vier Tagen 1.600 Unterschriften gesammelt und bei „24 Stunden für die Gemeinde“ waren 100 Bürger dabei. Auch jetzt bei der Präsentation für den Preis, bei dem wir unter die sieben bestgereihten Gemeinden gekommen sind, haben sich die Organisationen selbst vorgestellt. Besonderen Eindruck haben die Pfarrgemeinschaft, der Verein „Willkommen Mensch“ und „Österreichtafel“, die Lehrwerkstätte und die überregionale Zusammenarbeit im Dirndltal gemacht. Wir haben Großartiges hier in Kirchberg und wir wollen so weitermachen.

Der Verein „Willkommen Mensch“ betreut die Flüchtlinge in Kirchberg. Wie ist die Stimmung im Ort?
Prinzipiell gut. Es hat vor Kurzem einen Antrag gegeben, dass wir die Badeordnung ändern sollen, weil darin steht, es muss ortsübliche Badebekleidung getragen werden. Das haben wir im Gemeindevorstand abgelehnt. Ich habe von den Flüchtlingen selbst darüber keine Beschwerden gehört. Sie akzeptieren es. Wir sind sehr erfahren mit Flüchtlingen. In den 90er-Jahren hatten wir um die 300 in der Gemeinde.

Setzt die Gemeinde die Flüchtlinge für Hilfsarbeiten ein?
Flüchtlinge, welche noch kein Asyl haben, dürfen von Kommunen zu geringfügigen Arbeiten herangezogen werden. Sie helfen uns etwa, die Wege auszugrasen, damit brauchen wir keine Pflanzenschutzmittel. Sie sind auch beim Union-Turnen dabei und auch beim Fußballtraining haben einige mitgemacht.

Hochwasserschutz als dominantes Thema

Derzeit gibt es in der Gemeinde eine Mega-Baustelle für den Hochwasserschutz. Wie laufen die Arbeiten bisher?
Der Hochwasserschutz in der Gemeinde dominiert im Moment alles. Wir sind im Bauzeitplan und es könnte sogar billiger für uns werden. Veranschlagt sind 10,6 Millionen Euro. Wenn aber bis zur Fertigstellung kein Hochwasser kommt und auch sonst nichts Unvorgesehenes passiert könnten wir mit acht Millionen Euro auskommen.

Gibt es noch weitere Projekte?
Der Umbau des Bahnhofes und der Einbau der Modellbahn sind derzeit in Ausführung. Als Nächstes werden wir mit dem Kraftwerksbau starten. Die Ausschreibungen sind bereits abgeschlossen. Im Herbst wollen wir mit den Bauarbeiten starten. Wir werden den Großteil des erzeugten Stroms später selbst verwerten und das Projekt als Insellösung ausführen. Die Wehranlage wurde im Zuge des Hochwasserprojektes bereits errichtet.

Was heißt Insellösung genau?
Sollte aus irgendwelchen Gründen eine Katastrophe eintreten und die EVN nicht liefern können, können wir als Insel quasi unseren eigenen Strom verwerten, im beschränkten Ausmaß natürlich nur. Aber wir könnten etwa die Wasserversorgung aufrechterhalten in der Kirchberghalle und den Schulen und dort Notquartiere und eine Einsatzzentrale einrichten. Wir sparen uns dadurch auch den Stromzukauf.

Welchen Stellenwert hat erneuerbare Energie für Kirchberg?
Für uns hat erneuerbare Energie einen hohen Stellenwert. Wir werden mit dem neuen Wasserkraftwerk den Stromertrag des alten E-Werkes versiebenfachen. Mit den maximal erzeugten 760.000 kWh können 200 Einfamilienhäuser versorgt werden. Wir haben Photovoltaik-Anlagen im Ort und im Fernheizwerk verwenden wir 5.000 Schüttraummeter Hackschnitzel aus der Region, die durch nachhaltige Waldbewirtschaftung geliefert werden können.