Erstellt am 11. Juni 2016, 10:10

von Beate Steiner

Spuren aus der Kindheit. Eine Schau beleuchtet die Schicksale der "Besatzungskinder" auch von Doris Krammer.

Doris und ihre Tochter Melanie.  |  NOEN, zVg

"Schwarz Österreich" - so nennt sich eine Ausstellung im Volkskundemuseum Wien, in der Kinder von Österreicherinnen und afro-amerikanischen GIs über ihre individuellen Lebensgeschichten berichten. Auch Doris Krammer. Ihre Mutter hatte als junges Mädchen in Deutschland ihren Vater Horace kennen und lieben gelernt. Doris war zwei Jahre alt, als ihre schwangere Mutter 1956 mit ihr nach Ober-Grafendorf zurückkehrte, weil ihr Vater nach Amerika zurückbeordert worden war. Sie sollte ihn nicht wieder sehen.

Kindheit als Fürsorgekinder

Doris und ihr Bruder Harry wuchsen als Fürsorgekinder auf, „weil meine Mutter alleine war. Sie hat immer gearbeitet, um uns durchzubringen.“ Vor den Fürsorgerinnen habe sie sich gefürchtet. „Sie haben Macht ausgeübt. Da stand immer im Raum, dass ich ins Heim abgeschoben werde“, erinnert sich Doris. Auch daran, dass sie in der Schule wenig Probleme hatte: „Wenn sie mich ärgern wollten, haben sie halt ‚Negerweiberl‘ zu mir gesagt. Aber ich habe mir nichts gefallen lassen. Ich hab‘s besser erwischt als andere, die ich jetzt bei der Ausstellung kennengelernt habe.“ Viele seien gemobbt worden, auch von den Lehrern. „Einen wollte der Direktor in den Urwald zurückschicken.“ Den meisten haben auch die Mütter nichts über die verschwundenen Väter erzählt. „Meine Mutter hat das nicht gemacht“, sagt Doris, „sie hat immer über alles gesprochen.“ Hie und da ist für Doris auch eine Geburtstagskarte aus Amerika gekommen.

Doris jedenfalls hat jung geheiratet, war in den 70er- und 80er-Jahren als Sängerin mit den „Jets“ erfolgreich, steht auch jetzt noch „hobbymäßig“ mit einigen heimischen Bands auf der Bühne. Ihr Vater hat in Amerika eine neue Familie gegründet. Übers Internet hat Doris vor einiger Zeit ihre Halbgeschwister ausfindig gemacht, hat Kontakt mit zwei Halbbrüdern in Baltimore, die sie zum Kennenlernen eingeladen haben.