Erstellt am 20. Juni 2016, 12:06

von APA/Red

St. Pölten: Apotheken-Angestellte griff jahrelang in Kassa. Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls musste sich am Montag eine ehemalige Apotheken-Mitarbeiterin vor einem Schöffensenat in St. Pölten verantworten.

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Die 27-Jährige soll von 2013 bis 2015 Buchungen von fiktiven Retourwaren veranlasst und Geld aus der Kassa genommen haben. Der Schaden beträgt laut Anklage rund 110.000 Euro. Die Beschuldigte ist teilweise (zu einem Schaden von 46.000 Euro) geständig.

"Bin nicht mit meinem Lohn ausgekommen"

"Ich bin nicht mit meinem Lohn ausgekommen", erklärte die Angeklagte, die von Jänner 2012 bis Februar 2015 in der Apotheke in St. Pölten beschäftigt war und 1.300 Euro netto verdiente. Ein bis zwei Mal wöchentlich entnahm sie laut eigenen Angaben nach Buchungen im EDV-System Bargeld aus der Kassa. Mit den Beträgen beglich sie unter anderem Kreditraten für ein Auto und unterstützte eine Freundin in Mazedonien mit Überweisungen.

Die Angeklagte habe "indirekt Buch geführt" über die Buchungen, sagte der Verteidiger, daher ergebe sich auch der Betrag, zu dem sie sich geständig zeigte. Das gestohlene Geld "habe ich nach ein bis zwei Tagen auf mein Konto gebucht", berichtete die ehemalige Apotheken-Angestellte. Sie habe nie Barbeträge zuhause aufbewahrt oder an Verwandte weitergegeben, Einkäufe habe sie mit Karte bezahlt, meinte die 27-Jährige auf Fragen des Richters.

Manipulationen unter Namen von Kollegen

Die Beschuldigte ging meist nach dem Muster vor, dass von fiktiven Kunden Ware - laut Apothekerin etwa Thrombosespritzen um mehrere hundert Euro - retour genommen und die jeweiligen Beträge ausbezahlt wurden. Einige Manipulationen soll die 27-Jährige laut Anklage unter dem Namen von Kollegen durchgeführt haben, indem sie Strichcodes von anderen Mitarbeitern verwendete.

Hinweis kam von Steuerberater

Aufgeflogen sind die Malversationen durch einen Hinweis des Steuerberaters. Daraufhin überprüfte die Apothekerin die Buchungen auf verdächtige Transaktionen. "Es wurden auch Artikel retour gebucht, die nicht mehr im Handel waren", sagte die ehemalige Chefin der 27-Jährigen als Zeugin aus. Zudem korrigierte die Angeklagte zahlreiche Male den Lagerstand, was bei der Prüfung ebenfalls ans Licht kam.

Die Beschuldigte "trug sehr viel neues Gewand und erzählte von häufigen Friseurbesuchen", berichtete ihre frühere Vorgesetzte. Die Apotheke hat sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Ein Urteil dürfte am Nachmittag gefällt werden.