Erstellt am 11. August 2017, 16:10

von Mario Kern

Archäologische Arbeiten: Wie die Herren lebten. Mauern, Keller und Brunnen von altem Herrenhaus wurden im Innenhof der Wiener Straße 12 freigelegt, bevor Gründerzeitbau darüber attraktiviert wird.

Ronald Risy zeigt im Innenhof einen Brunnen, der in eine Mauer des Herrenhauses eingesetzt war. Im Zuge der Arbeiten wurde auch ein Teil des Kanals saniert.  |  NOEN, Kern

Wichtige Funde für die Dokumentation der Stadt-Historie hat Stadtarchäologe Ronald Risy im alten Herrenhaus in der Wiener Straße 12 zu Tage gefördert. Sein Team hat im Innenhof des 1893 erbauten Nachfolger-Gebäudes die Überreste der 200 Jahre älteren Gemäuer freigelegt – zum Vorschein gekommen sind die Ost- und Süd-Mauer sowie mehrere Raumunterteilungen.

Überrascht war Risy freilich nicht: „Das Herrenhaus ist historisch gut dokumentiert, wir wussten also abgesehen von Details, was uns erwartet.“ In einem Meter Tiefe stieß das Team auf einen Ziegelfußboden und darunter ein intaktes Kellergewölbe. Zudem wurde ein kleiner, in eine Mauer eingesetzter Brunnen gefunden. Einen ähnlichen hatte Risy bereits im Palais Wellenstein entdeckt. „Das dürfte also im 17. Jahrhundert nicht unüblich gewesen sein.“

Mehrere Häuser seit dem 14. Jahrhundert

Historisch dokumentiert ist dort eine Bebauung seit dem 14. Jahrhundert. Damals hatte der damalige Stadtherr, der Bischof von Passau, einen Fronhof errichten lassen, der später von den jeweiligen Stadtherren genutzt wurde. „Daher rührt auch der Name Herrenplatz“, erklärt Risy. 1692 ließ Ernst von Trautson nach Feuerschäden das Gebäude neu bauen. Dieses reichte noch weiter in die Wiener Straße als das heutige. „Ein Regulierungsplan sah vor, dass Neubauten zurückversetzt werden mussten.“

In der Wiener Straße 12 begleiteten Risy und die Firma Ardig die Verlegung der Trafo-Station der EVN aus dem Keller in den Innenhof. „Der Trafo stand Ausbau- und Zukunftsplänen im Weg“, erklärt Architekt Wolfgang Pfoser. „Mit der Verlegung haben wir Voraussetzungen für einen Lift und eine weitere Attraktivierung des Gebäudes geschaffen.“