Erstellt am 10. Mai 2016, 04:44

von Daniel Lohninger und Mario Kern

St. Pölten bereit für Europa. Stadt-Parteien und Kulturszene für Bewerbung. Noch fehlen aber Konzept und Finanzierung.

Mit dem Kulturbezirk inklusive Festspielhaus, weiteren großen Kulturhäusern sowie vielen kleineren kulturellen Initiativen könnte sich St. Pölten als Europäische Kulturhauptstadt 2024 bewerben.  |  NOEN, Stefan Kristoferitsch

Noch bis 2018 läuft die Bewerbungsfrist für die Europäische Kulturhauptstadt 2024. Bis dahin müsste ein fertiges Konzept erarbeitet und dann eingereicht sein. Eine österreichische Kulturhauptstadt wird es sicher geben, die dritte nach Graz und Linz. Bregenz ist bereits im Rennen und arbeitet intensiv am Konzept. In St. Pölten zögert man immer noch. Dabei ist die Meinung der St. Pöltner eindeutig: Laut der Vorwahl-Befragung des Institutes Public Opinion Strategies für die NÖN sind fast 60 Prozent für die Bewerbung ihrer Stadt. Nur 17 Prozent sind klar dagegen.

„Selbstverständlich müssen wir uns bewerben“

Auch im Gemeinderat gibt es seltene Einigkeit. SP, VP und FP sind klar dafür, die Grünen wollen sich dazu derzeit nicht äußern. „Selbstverständlich müssen wir uns bewerben“, legt sich VP-Vizebürgermeister Matthias Adl fest. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Unterstützung des Landes gewährleistet ist, die Kosten genau definiert werden und die täglichen Aufgaben der Stadt nicht vernachlässigt werden. Zudem sei wesentlich, so Adl, dass die Themen gemeinsam festgelegt werden.

Eine klare Position hat auch die FP: Die Stadt müsse ihre Stärken noch mehr vermarkten. Der Status als Europäische Kulturhauptstadt könnte dabei ein Meilenstein sein, betont Stadtpartei-Chef Klaus Otzelberger. „Die FP ist sehr stolz auf die schöne Innenstadt St. Pöltens und vor allem darauf, dass St. Pölten als alte Römerstadt die älteste Stadt Österreichs ist.“

Klar dafür ist auch Bürgermeister Matthias Stadler (SP). Allerdings: „Dass wir die Bewerbung bisher nicht so zielstrebig verfolgen konnten, liegt daran, dass wir zurzeit keine Finanzierungszusagen von den übergeordneten Körperschaften haben.“ Mit-Bewerber Bregenz habe deutlich bessere Rahmenbedingungen, weil das Land Vorarlberg bereits zugesagt habe mitzuzahlen. Stadler: „Wir können aus eigener Kraft so ein Großprojekt nicht stemmen, sondern wir brauchen so wie Graz oder Linz die massive Unterstützung des Landes.“ Liege diese Unterstützungs-Zusage nicht vor, mache eine Bewerbung keinen Sinn. Von Seiten des Landes gebe es aber, so Stadler, „eine gewisse Zurückhaltung“ gegenüber der Unterstützung einer St. Pöltner Bewerbung.

Land: „Stadt muss Vorschlag bringen"

Die Frage, ob das Land sich vorstellen kann, St. Pölten zu unterstützen oder nicht, stelle sich zurzeit gar nicht, erwidert Hermann Dikowitsch, Leiter der NÖ Kulturabteilung: „Die Stadt ist noch nicht mit einem konkreten Vorschlag auf das Land zugekommen. Sobald dies erfolgt, werden wir natürlich gerne in Gespräche treten.“ Eine Finanzierungszusage könne es also noch gar nicht geben, betont Dikowitsch.

St. Pölten könne sich jederzeit bewerben. Klar sei aber, dass das Land die Kosten für das Projekt Kulturhauptstadt nicht alleine tragen werde. „Da müsste auch ein wesentlicher Anteil von der Stadt kommen.“

St. Pölten als Kulturhauptstadt überhaupt ins Gespräch gebracht hat bereits in den 1990er-Jahren Siegfried Nasko. Der ehemalige Kulturstadtrat sieht St. Pölten noch mehr als damals geeignet, sich zu bewerben. Die Stadt habe sehr reelle Chancen: „St. Pölten verfügt über eine intakte und repräsentative kulturelle Infrastruktur, die beachtliche Nutzungsreserven aufweist. Darüber hinaus lebt die Kulturszene in der Stadt de facto in allen Kultursparten.“

„St. Pölten verfügt über eine intakte und repräsentative kulturelle Infrastruktur, die beachtliche Nutzungsreserven aufweist.“ Siegfried Nasko

Ein Manko sei der Abzug der bildenden Kunst nach Krems sowie ein ausstehendes Bekenntnis der Landeskulturverwaltung zu St. Pölten, ist Nasko überzeugt. Da die Kulturhauptstadt seit 2009 an zwei Städte vergeben werde, solle sich St. Pölten gemeinsam mit Brünn bewerben, schlägt Nasko vor.