Erstellt am 19. August 2016, 15:30

Frauenmangel: Männerdomäne Politik. Von 42 Mandataren im Gemeinderat sind neun weiblich: Beruf, Familie, Politik sind schwer vereinbar.

Susanne Kysela war die bisher einzige Vizebürgermeisterin der Landeshauptstadt.  |  NOEN, Archiv

Die Lokal-Politik vermännlicht wieder. Waren in der Gemeinderatsperiode zwischen 2011 und 2016 noch zwölf von 42 Mandataren weiblich, sitzen ab September nur mehr neun Frauen im Gemeinderat der Landeshauptstadt. Denn auch das einzige grüne Mandat übernimmt jetzt ein Mann (die NÖN berichtete exklusiv). „Bei nur einem Gemeinderatssitz ist es halt schwer, auf geschlechterspezifische Ausgewogenheit zu achten“, bemerkt der neue Grün-Gemeinderat Markus Hippmann, der aber zugesteht, dass es „momentan augenscheinlich generell schwierig ist, Frauen für die Politik zu gewinnen“ – sogar bei den Grünen, die vor einiger Zeit mit drei Mandatarinnen eine 100-prozentige Frauenquote hatten.

FPÖ mit einem Frauenanteil von einem Drittel

Die FPÖ bringt es im St. Pöltner Gemeinderat immerhin auf einen Frauenanteil von einem Drittel: Zwei weibliche und vier männliche Mandatare bilden das blaue Team. FP-Stadtrat Klaus Otzelberger betont, dass „bei uns nur die Leistung zählt, unabhängig vom Geschlecht“. Diese Einstellung trage dazu bei, dass die FPÖ auch großen Zulauf von Frauen habe: „Viele Frauen lehnen auch den übertriebenen Gender-Wahn der Altparteien ab“, so Otzelberger.

Mit Gemeinderätin Christina Veit ist eine einzige Frau im neunköpfigen VP-Team – in der vergangenen Legisturperiode waren es noch bis zu vier, Ulli Nesslinger hatte sogar einen Stadtratssitz. Vizebürgermeister Matthias Adl war sehr stolz darauf, dass die VP in der letzten Periode den historisch höchsten Frauenanteil stellen konnte, den die VP St. Pölten jemals erreicht hatte. Aber: „Leider scheint es Tatsache zu sein, dass Frauen in der Politik nicht unbedingt die notwendige Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten“, spielt Adl darauf an, dass für die Schwarzen in den Gemeinderat kam, wer die meisten Vorzugsstimmen erhalten hatte. „Nichtsdestotrotz bemühen wir uns, junge Damen für ein Engagement in der Politik zu begeistern. Mit Stephanie Rendl als neuer Obfrau der JVP St. Pölten ist uns das gelungen.“ Der VP- Bezirksgeschäftsführer ist allerdings überzeugt, dass es für Frauen ungleich schwieriger ist, Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen.

„Der weibliche Nachwuchs ist überschaubar"

Mit dieser Ansicht geht er konform mit seinem roten Kollegen Robert Laimer: „Der weibliche Nachwuchs ist überschaubar. Wir haben erst in letzter Zeit zwei Mandatarinnen verloren, die sich für Familie und Kind entschieden haben – das System ist leider nicht sehr flexibel.“ 20 zu sechs steht‘s im SP-Team: 20 Mandatare und sechs Mandatarinnen sitzen für die Mehrheitsfraktion im Stadtparlament – das ist eine Frauenquote von 23 Prozent. „Wir haben mit Denise Tiefenbacher wieder eine junge Frau im Gemeinderat“, freut sich der SP-Stadtrat und bestätigt gleichzeitig, dass es nicht einfach ist, Frauen für ein Engagement in der Lokal-Politik zu begeistern: Frauen seien kritischer und würden nicht so schnell einer Politlaufbahn den Vorzug geben: „Männer sagen da schneller ja“, so Laimer.

Susanne Kysela, als Vizebürgermeisterin bis vor vier Jahren ranghöchste weibliche Mandatarin im Stadtparlament, sieht die Sache ähnlich – aus Erfahrung: „Ich habe die Chance gehabt mitzugestalten, und ich denke noch gerne daran zurück. Aber Familie, Beruf und Politik – das kann sich nicht ausgehen, wenn man es ernst nimmt. Da müsste der Tag 36 Stunden haben.“