St. Pölten

Erstellt am 13. Juni 2017, 05:50

von Beate Steiner

Immobilienpreise: Kaufen besser als mieten. Nur in St. Pölten und Eisenstadt lohnt sich Wohnungseigentum laut Kauf-Miet-Indikator.

Die BWSG hat die Nachfrage erkannt und baut am Schillerring über hundert Eigentumswohnungen, die 2018 fertiggestellt sind.  |  NOEN, BWSG

Durchschnittlich 19 Jahre könnte man in St. Pölten eine Wohnung mieten, bevor sich ihr Kauf lohnt. Das errechnete die Immobilien-Plattform „Immo-Scout“. Nur Eisenstadt hat mit 16 Jahren einen niedrigeren Kauf-Miet-Indikator. In Wien und Salzburg zum Beispiel rechnet sich ein Wohnungskauf erst nach 30 Jahren. Daher sind Eisenstadt und
St. Pölten die einzigen Hauptstädte, in denen sich der Kauf einer Immobilie auszahlt, weil der Kauf-Miet-Indikator unter 20 ist.

Das liegt daran, dass der Preis für Wohnungseigentum in Niederösterreichs Landeshauptstadt noch immer relativ niedrig ist im Verhältnis zu den Mietpreisen, erklärt Georg Edlauer, Fachverbandsobmann der Immobilientreuhänder in der österreichischen Wirtschaftskammer.

„Nur durch Erhöhung des Angebots können die Preise gehalten werden.“ Georg Edlauer, WKO-Fachverbandsobmann der Immobilientreuhänder

Ganz so einfach funktioniert die Rechnung mit dem Kauf-Miet-Indikator aber nicht, betont Edlauer. Denn eine Immobilie habe zwei Arten von Renditen, neben dem Mietertrag auch noch die Wertsteigerung der Immobilie, die beim Verkauf lukriert werden kann. Außerdem hätten die Österreicher einen emotionellen Zugang zu Besitz, nicht nur einen finanziellen: „Eigentumswohnungen sind die Investitionen des kleinen Mannes.“

Hier an der Ecke Schneckgasse/Linzer Straße entstehen Eigentumswohnungen in zentraler Lage.  |  NOEN, Steiner

Diese sind im letzten Jahr teurer geworden. Das zeigt der aktuelle Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer, den der St. Pöltner Immobilienprofi präsentiert hat: Der Quadratmeter einer neuen Wohnung in
St. Pölten kostet durchschnittlich 1.865 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um 2,9 Prozent. Gebrauchte Eigentumswohnungen sind um 1,6 Prozent auf 1.384 Euro pro Quadratmeter gestiegen.

In St. Pölten ist Eigentum am billigsten

Im Österreich-Durchschnitt kostet der Quadratmeter neues Wohnen 2.447,50 Euro, das ist ein Plus von 0,8 Prozent. Bei gebrauchtem Eigentum stiegen die Preise um 1,4 Prozent. Die gebrauchte Eigentumswohnung kostet durchschnittlich 1.575 Euro pro Quadratmeter. St. Pölten holt also von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend etwas auf, bleibt aber Schlusslicht oder anders betrachtet Sieger mit den durchschnittlich preisgünstigsten Wohnungen im Hauptstadtranking.

Am teuersten ist Wohnen im Eigentum in Salzburg. Die Festspielstadt hat Wien und Innsbruck abgehängt (siehe Tabelle rechts). Am stärksten gestiegen sind die Preise für Wohnungseigentum in Bregenz (um 3,8 Prozent) und Eisenstadt (um 3,6 Prozent).

Die Kaufpreise für Immobilien werden weiter steigen, ist auch Immobilien-Profi Mario Winkler von Immocentral überzeugt. Denn die Nachfrage nach Eigentumswohnungen ist in
St. Pölten größer als das Angebot.

Einige Investoren haben den Bedarf bereits erkannt. So errichtet die BWS-Gruppe frei finanzierte Eigentumswohnungen in der Maximilianstraße und auf dem Areal der ehemaligen Gebietskrankenkasse. Und eine St. Pöltner Gruppe um Rechtsanwalt Markus Mayer, Autohaus-Besitzer Franz Mayer, Manager Hans Langenbach und Projektentwickler Andreas Muschik investiert vier Millionen Euro in dreißig Eigentumswohnungen, ein Geschäftslokal und eine Tiefgarage am Linzer Tor.

"Bau-Boom" in der Landeshauptstadt

„Der Bedarf an frei finanzierten Wohnungen ist da, St. Pölten ist Zuzugsort als Alternative zu Wien“, erklärt Markus Mayer die Beweggründe: „Wohnraum wird immer benötigt, und dann gibt es natürlich einen spürbaren Urbanisierungstrend.“ Auch Georg Edlauer bestätigt, dass „die Stadt in den Fokus der Leute gerückt ist, die sich früher rund um Wien angesiedelt haben. Dabei spielt natürlich die exzellente Bahnverbindung eine große Rolle.“

Wenn die Landeshauptstadt „Wohnparadies“ bleiben will, wird sich das Angebot weiter erhöhen müssen. „Nur so können die Preise gehalten werden“, weiß Georg Edlauer. Und: „Man muss dort, wo erhöhte Nachfrage herrscht, den Wohnbau fördern – durch Investitionsanreize, Entbürokratisierung oder auch durch ein adaptiertes Baurechtsgesetz.“