Erstellt am 26. Mai 2017, 06:34

von Mario Kern

Legende am Volksfest-Riesenrad. Margit Rieger beliefert seit 50 Jahren mit ihren Fahrgeschäften das St. Pöltner Spektakel. „Wir fühlen uns wohl.“

Bewährte Partnerschaft: Ludwig und Margit Rieger mit Volksfest-Chef  |  NOEN, NÖN

Die Familie Rieger ist ohne Übertreibung so etwas wie das historische Rückgrat des St. Pöltner Volkfests: Ihr Unternehmen aus Wels stellt seit 50 Jahren seine Fahrgeschäfte in
St. Pölten auf – fast so lange, wie es das 61 Jahre alte Fest gibt. In den ersten 36 Jahren lockten die Rieger’schen Geräte beim Hammerpark, seit 1993 drehen sie sich am VAZ-Areal.

„Heute hat sich vieles aufs Wochenende verlagert.“

„Wir haben 1967 mit dem Riesenrad und dem ‚Tokaido Express‘ angefangen“, erinnert sich Margit Rieger. „Damals kamen mehr Leute auch unter der Woche, direkt nach der Arbeit“, schildert Rieger. „Heute hat sich vieles aufs Wochenende verlagert.“ Auch am Verhalten der Besucher habe sich viel geändert: Waren Jung und Alt vor einigen Jahrzehnten noch durchwegs Feuer und Flamme für den Volksfest-Besuch, seien im 21. Jahrhundert viele Gäste verhalten, abwartend und vor allem sehr sparsam. „Das war früher grundsätzlich anders“, schmunzelt die Fahrgeschäft-Expertin. „Da hat sich so mancher einen Kredit von 5.000 oder 10.000 Schilling aufgenommen, um ihn beim Volksfest im großen Stil auszugeben.“

„Früher hat sich so mancher einen Kredit von 5.000 oder 10.000 Schilling für das Volksfest aufgenommen.“ Margit Rieger

Den alten Volksfest-Standort unter den schattigen Bäumen an der Rennbahnstraße zwischen Hammerpark und dem heutigen Landhausschiff hat Rieger sehr geschätzt. „Aber auch das VAZ-Areal hat was für sich. Es ist doppelt so groß, das Gelände ist gut erreichbar.“

Mit der Zeit haben die Riegers neue Fahrgeschäfte gekauft und größere fertigen lassen – die große Konstante in all den Jahren ist das Riesenrad, gleich danach kommt das „Breakdance“. Heute stellt die Familie fast ein Drittel der 25 Attraktionen am Volksfest. Für die sieben Fahrgeschäfte reisen die Riegers mit 15 Zugfahrzeugen, 54 Anhängern und sechs Wohnwägen mit 55 Betten an. Die drei großen Attraktionen – Crazy Mouse, Aqua Valley und Magic Dreamland – sind so gut wie fertig aufgebaut. Die verbleibenden vier Geschäfte – Riesenrad, Panik, Chaos und Breakdance – sind derzeit noch „auf Reisen“ und werden zwei Tage vor dem Volksfest am VAZ-Areal aufgebaut. Wenn am Freitag, 2. Juni, die ersten Gäste in den Fest-Bereich eingelassen werden, sind die Familie Rieger und ihre Mitarbeiter mit der Montage längst fertig.

„St. Pölten ist mir heilig“

Margit Riegers Sohn Ludwig leitet sehr mehreren Jahren operativ das Unternehmen. Er hat auf Volksfesten wie dem St. Pöltner einen Gutteil seiner Kindheit und Jugend verbracht. „St. Pölten ist mir heilig“, erzählt Rieger. „Im Alter von sechs Jahren haben mich meine Großeltern in Wels in den Zug gesetzt, in St. Pölten haben mich meine Eltern abgeholt.“

Noch vor 13 Jahren „versorgten“ die Riegers 71 Plätze in Österreich und benachbarten Ländern. Heute haben sie aufgrund des steigenden wirtschaftlichen Aufwands nur mehr 20 Volksfeste auf der Liste. „Ganz klar, dass St. Pölten eines dieser Feste bleibt. Wir fühlen uns wohl, das Geschäft passt, die Augen der Kinder leuchten immer noch, wenn sie hierher kommen.“