St. Pölten

Erstellt am 26. Juli 2016, 07:14

von Beate Steiner, Mario Kern und Daniel Lohninger

Lange Stunden des Schreckens. Anton Figl und Jimmy F. Nagy erlebten die Amok-Nacht in München. In St. Pölten war zur selben Zeit Bombenalarm am Bahnhof.

 |  APA (AFP)

Jimmy F. Nagy saß Freitagabend im letzten Zug, der in den Münchner Hauptbahnhof einfahren durfte. Vom Amoklauf, der danach für die Sperre des Bahnhofs sorgte, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nichts. „Ich habe mich nur über die vielen Polizisten gewundert, die im Bahnhofsviertel präsent waren“, erzählt der in St. Pölten lebende gebürtige Münchner. Erst nach und nach erfuhr Nagy, was passiert war, verbrachte den Abend in einem Lokal: „Die Besitzerin hat zugesperrt und die Gäste versorgt.“

Angst hatte der Initiator der Kattunfabrik keine, und er hat kein Verständnis für die Angstmacher, die sich wichtig machen und einen Terrorakt als Event sehen: „Warum werden erwachsene Menschen, wenn sie unbestätigte Gerüchte über eine Schießerei hören, gleich verrückt? Menschen posten, dass am Gärtnerplatz geschossen wird und Leute blutend rumrennen. Und es war nichts am Gärtnerplatz. Gar nichts. Nur der Gärtnerplatz.“

„Ich habe kein Verständnis für Angstmacher, die einen Terrorakt als Event sehen.“
Jimmy F. Nagy, Kattunfabrik-Initiator

Anton Figl war zu dieser Zeit mit seiner Familie in einem Park, Schulschluss feiern, mit Picknick und Fußball. „Wir bekamen nur etwas von einem Polizeieinsatz mit, wussten nicht, warum die öffentlichen Verkehrsmittel plötzlich still standen.“ Per Autostopp – „das ist sehr ungewöhnlich in München“ – kam die Familie dann nach Hause, informierte sich. „Es war schon sehr irritierend, dass bei der Pressekonferenz alle schon alles wissen wollten, wie bei einer Instant-Auflösung – durch die sozialen Medien bekommen die Dinge so eine wahnsinnige Beschleunigung.“ Beunruhigend findet der Schauspieler und Fremdenführer, dass sich die tödlichen Vorfälle häufen, dass „alles Schlag auf Schlag geht: das Axt-Attentat im Zug, dann der Amoklauf in München, jetzt noch der Bombenanschlag beim Festival in Ansbach.“

Figl macht sich besonders Sorgen um seine Söhne (12 und 14 Jahre alt), „sie sind ja doch auch alleine unterwegs, und der Amoklauf hätte genausogut im Einkaufszentrum in unserer Nähe passieren können. Man muss da einfach einen gewissen Fatalismus entwickeln.“

Von den Ereignissen in München betroffen zeigt sich auch Michaela Steiner. Sie hatte mit ihrer Familie bis 1987 zwölf Jahre lang im Olympischen Dorf in München gelebt, bevor sie vor beinahe 30 Jahren nach
St. Pölten gezogen ist. „Wir haben noch Freunde und Bekannte dort. Denen geht es aber glücklicherweise gut.“

St. Pöltner Bahnhof wurde auch evakuiert

Nur wenige Stunden nach dem Amoklauf in München schrillten auch in St. Pölten die Alarmglocken. Schuld daran war ein 25-jähriger Iraner, der sich in einem Zug zwischen Wien und St. Pölten im WC verschanzt hatte. Da er nach Augenzeugenberichten gedroht hatte, sich umzubringen, evakuierte die Polizei gegen 20 Uhr den St. Pöltner Hauptbahnhof. „Man konnte zu diesem Zeitpunkt einen terroristischen Hintergrund nicht ausschließen“, erklärt Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler. Kaum war der Zug in St. Pölten angekommen, wurde der Täter von der Polizei überwältigt. Der Koffer wurde von Spezialisten untersucht, danach konnte Entwarnung gegeben werden. Nur die Bahnsteige 4 und 5 blieben bis zum Eintreffen des Sprengdienstes gesperrt, der Bahnhof selbst war bereits vor 20.30 Uhr wieder frei passierbar.

Im Zuge der Einvernahme stellte sich dann rasch heraus, warum sich der Iraner im Klo eingesperrt hatte: Er war ohne Bahnticket unterwegs gewesen.

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