St. Pölten

Erstellt am 24. April 2018, 04:27

von Beate Steiner

Not-Abriss in der Altstadt: Finale fürs Kohn-Haus. Linzer Straße 20 wegen „Gefahr in Verzug“ abgerissen.

Die Baustelle in der Linzer Straße 20 ist abgesichert, der Bagger werkt.  |  Beate Steiner

Spektakulär wird derzeit das Gebäude Linzer Straße 20 aus dem Stadtbild entsorgt: Ein riesiger Bagger werkt in der zeitweise gesperrten Straße, das Dach und ein Teil des seit Jahren baufälligen Hauses sind bereits verschwunden.

Spektakulär wie der Abriss ist auch die Hintergrundgeschichte, die dazu geführt hat. Denn nicht ein simpler Abbruchbescheid der Stadt ließ den Bagger auffahren: Ein Gutachten bestätigt, dass das Haus einsturzgefährdet und damit Gefahr in Verzug ist, die Baubehörde ordnete daraufhin den sofortigen Abbruch an. „Kinder auf ihrem Schulweg, Passanten und auch der Fahrzeugverkehr könnten gefährdet sein“, bestätigt Behördenleiter Martin Gutkas: „Sicherheit hat oberste Priorität.“

Schandfleck in der St. Pöltner Innenstadt

Gegen diesen Bescheid erhob Rechtsanwalt Andreas Rudolph sofort Einspruch. Er vertritt die Eigentümer des Nachbarhauses. „Meine Mandanten sind nicht gegen den Abriss des Nachbarhauses und die Errichtung einer schönen Innenstadt-Wohnhausanlage“, erklärt der Anwalt. „Sie machen sich allerdings Sorgen um die wertvollen Stuckdecken aus der Werkstatt von Jakob Prandtauer in ihrem Wohnzimmer.“ Diese könnten Schaden erleiden, wenn der Abbruch des Kohn-Hauses nicht sorgsam erfolgt. Rudolph bekämpft die „einseitige, rechtlich nicht gedeckte“ Aktion der Stadt mittels eines Bauverbots, das vom Bezirksgericht erlassen wurde, aber negiert wird.

Stopp für Passenten und Autos in der Linzer Straße.  |  Beate Steiner

Rechtsanwalt Rudolph hat daher einen Exekutionsantrag eingebracht und bedauert, dass der Liegenschaftseigentümer des Kohn-Hauses mit ihm keinen Kontakt aufnehmen will: „Eine Lösung könnte relativ einfach getroffen werden, setzt aber voraus, dass die Interessen unserer Mandanten berücksichtigt werden.“

Eine Lösung dieses außergewöhnlichen Nachbarschaftsstreits hat sich in den letzten acht Jahren nicht ergeben. Der Abbruch eines der letzten Schandflecken der St. Pöltner Innenstadt war bereits 2010 fix. Nicht gesicherte Grundgrenzen zum Nachbarhaus sorgten für den Rechts-Clinch und verhinderten in Folge einen Abrissbescheid.