St. Pölten

Erstellt am 22. Juli 2016, 12:59

Untreue-Prozess gegen Buchhalterin vertagt. Eine Buchhalterin musste sich am Freitag wegen des Vorwurfs der Untreue am Landesgericht St. Pölten verantworten.

Landesgericht St. Pölten  |  NOEN, http://www.justiz.gv.at/

Die 39-Jährige soll laut Anklage unter anderem Rechnungen manipuliert und Kosten für ihr Privatauto verbucht haben. Der Schaden für ihren Ex-Arbeitgeber betrage demnach fast 218.000 Euro. Die Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

"Ich habe alles gemacht, was mir der Chef angeordnet hat, aus Loyalität zur Firma."

Die 39-Jährige gab zu, erhöhte Rechnungen ausgestellt zu haben - sie habe dabei auf Anweisung des Prokuristen gehandelt, wie sie in der Schöffenverhandlung betonte: "Ich habe alles gemacht, was mir der Chef angeordnet hat, aus Loyalität zur Firma." Den Differenzbetrag zwischen Rechnungs- und Überweisungsbetrag habe sie in bar von der Bank abgehoben und in das Büro des Prokuristen - hinter die Stereoanlage - gelegt. Sie habe nie gefragt, was der Prokurist mit dem Geld machte, "ich dachte, das wird für die Firma verwendet", meinte die 39-Jährige.

"Wusste, das darf ich nicht"

Zu den Vorwürfen der Manipulation von Rechnungen, Nichterfassung von Gutschriften und Ausstellung von Scheinrechnungen meinte die Beschuldigte: "Ich wusste ganz genau, das darf ich nicht und soll ich nicht", sie habe aber die Anweisungen ihres Chefs befolgt. Einen Prozess vor dem Arbeitsgericht habe sie gewonnen, sagte die Buchhalterin, die im Frühjahr 2015 entlassen wurde.

"Haben Sie die Angeklagte je aufgefordert, überhöhte Rechnungen zu buchen?", wollte Richter Martin Kühlmayer vom ehemaligen Prokuristen im Zeugenstand wissen. "Nein", sagte der 50-Jährige, der im Frühjahr 2015 sein Arbeitsverhältnis beim Mostviertler Unternehmen gekündigt hatte.

Zur angelasteten Verbuchung von Kosten für ihr Privatauto sagte die Angeklagte, mit der privaten Nutzung einer Firmentankkarte und der Bezahlung von Rechnungen, etwa für Reifen, sei ihre - inoffizielle - Beschäftigung während der Dauer ihres Mutterschutzes abgegolten worden. Die 39-Jährige "hat die Lohnverrechnung im Mutterschutz gemacht", berichtete auch der ehemalige Prokurist. Er sei von der Buchhalterin informiert worden, dass es rund um die Abgeltung ihrer Tätigkeit im Mutterschutz und in der Karenz eine Vereinbarung mit dem Geschäftsführer gebe.

Diskussion um Echtheit einer Aktennotiz

Rechtsanwalt Nikolaus Rast verwies auf eine Aktennotiz aus dem Jahr 2012. In dieser ließ sich seine Mandantin zu ihrer "persönlichen Absicherung" festhalten, dass sie im Falle einer Betriebsprüfung ausdrücklich schad- und klaglos gehalten werde, "da sich die dubiosen Anordnungen häufen", wie es in der von der Verteidigung vorgelegten Schriftstück heißt. Unterfertigt wurde diese Aktennotiz demnach vom Prokuristen. "Dieses Schreiben habe ich nicht unterschrieben", sagte der 50-Jährige.

Die Staatsanwältin erkundigte sich, warum die Angeklagte diese Aktennotiz erst vor kurzem vorgelegt habe und nicht schon bei der Einvernahme durch die Polizei. Das habe sie auf Anweisung ihres damaligen Anwalts getan, nun habe sie ihren Verteidiger gewechselt, meinte die 39-Jährige.

Das Unternehmen im Mostviertel hat sich dem verfahren als Privatbeteiligter angeschlossen. Beim nächsten Termin werden zwei Zeugen einvernommen, die sich für Freitag entschuldigt hatten. Außerdem wird ein Sachverständigengutachten zu einem E-Mail vom Account der 39-Jährigen an den Geschäftsführer eingeholt, in dem es unter anderem heißt: "Es tut mir leid, was ich gemacht habe". Damit soll geklärt werden, ob das E-Mail-Konto der Buchhalterin gehackt wurde. Der Rechtsanwalt will damit beweisen, dass die Nachricht nicht vom PC seiner Mandantin und nicht von ihr selbst verschickt wurde.