St. Pölten

Erstellt am 18. August 2016, 09:24

von Nina Gamsjäger

Vorfall bei Müller zieht weite Kreise. Drogerie dementierte erst, rudert dann zurück. Ähnliche Vorwürfe auf Facebook.

.Auch auf Facebook ein Thema: Bub öffnete in St. Pöltner Filiale einer Drogeriekette Nagellack, Mitarbeiter rastete aus..  |  Symbolbild

„Der von Ihnen beschriebene Vorfall hat sich in keinster Weise so bei uns ereignet“, dementierte die Müller-Presseabteilung kurz nach Erscheinen des vorwöchigen NÖN-Berichts. Dies sei auch von mehreren Mitarbeitern vor Ort bestätigt worden.

Da hatte der Fall der Wagramerin mit Migrationshintergrund, die aus der Müller-Filiale in der Brunngasse verwiesen wurde, bereits in sozialen Medien für Aufregung gesorgt. Sie soll lautstark aus dem Geschäft komplimentiert worden sein, nachdem ihr zweieinhalbjähriger Sohn einen Nagellackentferner geöffnet hatte.

„Warum sollte ich so etwas erfinden?“

Auf der Facebook-Seite von SP-Gemeinderat Ali Firat, der den NÖN-Bericht teilte, fanden sich rasch unzählige Kommentare – manche davon berichteten von ähnlichen Erfahrungen in der Filiale. Nur kurz später ruderte der Konzern aber ein Stückchen zurück.

Gegenüber einem Facebook-User, der nachgefragt hatte, räumte die Drogerie-Kette ein, dass es tatsächlich einen Kontakt mit der Wagramerin gegeben habe. Die Erklärung: Der Mitarbeiter sei um die Sicherheit des Buben besorgt gewesen und habe deshalb die Mutter angesprochen – denn ein Kind wisse nicht, dass ein Nagellackentferner giftig sei.

Die Mutter zeigt sich auf Nachfrage empört: „Warum sollte ich so etwas erfinden?“ Sie frage sich, was seine Worte „Das kannst in deiner Heimat machen“ bedeuten sollen, wenn es dem Müller-Mitarbeiter nur um das Wohl des Kindes gegangen wäre.

Die NÖN hatte am 9.8. berichtet: „Das kannst in der Heimat machen“

St. Pölten | Kind öffnete Flasche, Filialleiter soll Mutter daraufhin angeschrien haben.

Es sollte ein Einkauf wie jeder andere werden: Eine Wagramerin wollte mit ihren beiden Kindern im Drogeriemarkt Müller Seifenblasen besorgen.

In einem unbeaufsichtigten Moment habe sich ihr zweieinhalbjähriger Sohn eine Flasche Nagellackentferner genommen und den Klappverschluss geöffnet, erzählt die Mutter. Plötzlich habe sie jemand angeschrien: „Jetzt ist das kaputt und Sie müssen es kaufen.“ Sie vermutet, dass es der Leiter der Filiale war.

Die Frau hätte die 90 Cent sofort bezahlt, der Filialleiter habe ihr den Nagellackentferner aber aus der Hand gerissen und sie angeschrien. „Das kannst in deiner Heimat machen, aber nicht bei mir,“ zeigt sich die Österreicherin mit Migrationshintergrund schockiert. Ihr Sohn habe zu weinen begonnen.

Noch nie sei sie auf eine solch diskriminierende Art verletzt worden, ihre angebliche Heimat kenne sie nur aus dem Urlaub. Damit aber nicht genug. Mit den Worten „Hier habe ich das Sagen. Ich verweise Sie aus dem Haus“ habe sie der Mann zur Tür begleitet. Er habe vor zahlreichen Kunden den Eindruck erweckt, sie habe etwas Furchtbares angestellt, berichtet sie.

„Wenn der Filialleiter ein Problem mit Kunden mit ausländischem Aussehen hat, ist er vielleicht nicht im richtigen Job“, ortet SP-Gemeinderat Ali Firat einen klaren Fall von Alltagsdiskriminierung.

Trotz mehrerer Anfragen war der Müller-Konzern für keine Stellungnahme erreichbar.