Erstellt am 12. Juli 2016, 07:16

von Daniel Lohninger

Zusätzliche Termine: Schneller zu MRT und CT. Bei Krebsverdacht werden Untersuchungen nach einem Vorstoß von Franz Frühwald vorgezogen. Bald soll ein neuer Vertrag generell kürzere Wartezeiten bringen.

Der St. Pöltner Franz Frühwald verhandelt für die Radiologen.  |  NOEN, verhandelt für die Radiologen.

Wer zahlt, kommt früher zu seinem MRT oder CT. Seit Jahren ist das auch in St. Pölten gelebte Praxis. Nach Ansicht der Radiologen ist das Folge der Deckelung der Beträge, die der Hauptverband der Sozialversicherungsträger zahlt. In der Vorwoche brachte der St. Pöltner Radiologe Franz Frühwald überraschend Bewegung in die Diskussion: In seiner Funktion als Sprecher der Radiologen verkündete er, dass die Radiologen pro Jahr zusätzlich 1.000 Untersuchungen in Niederösterreich durchführen werden – um in Krebsverdachtsfällen die Wartezeiten deutlich zu verkürzen.

„Uns ist das Wohl der Patienten das Wichtigste."

„Uns ist das Wohl der Patienten das Wichtigste. Wir sind mit diesem Schritt auf unsere Verhandlungspartner zugegangen“, erklärt Frühwald. Ein Gutteil der zusätzlichen Untersuchungen wird auf St. Pölten entfallen, wo die Situation laut NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) besonders problematisch ist. Anders als in anderen Städten in Niederösterreich sei hier die Situation nicht unbedingt eine „künstlich verknappte“, wie Generaldirektor Jan Pazourek erklärt: „Generell gibt es in Niederösterreich ausreichend Kapazität.“ In St. Pölten seien die beiden Institute mit insgesamt etwa 15.000 MRT- und 9.000 CT-Untersuchungen pro Jahr aber tatsächlich „sehr gut ausgelastet“. Tausende weitere werden im Universitätsklinikum durchgeführt. Hier sieht Pazourek aber eine Entwicklung, die die Probleme im niedergelassenen Bereich verschärfe: „Es gibt die Tendenz in den Krankenhäusern, Untersuchungen wie die Staging-Untersuchungen bei Krebserkrankungen auszulagern – obwohl die Spitäler noch freie Ressourcen hätten.“

NÖGKK fordert: „Schluss mit Privatzahlungen“

Klar ist allen Beteiligten, dass Frühwalds Vorstoß nur eine vorübergehende Lösung sein kann. „Ich hoffe, dass wir noch im Herbst eine sinnvolle Lösung zusammenbringen“, meint Frühwald. Auf der anderen Seite steht mit Bernhard Wurzer, dem stellvertretenden Generaldirektor des Hauptverbandes, ebenfalls ein St. Pöltner. „Wir sind zu einem Entgegenkommen bereit“, sagte er im Ö1-Journal. Dem Hauptverband sei bewusst, dass der bis Ende 2018 laufende Vertrag neu verhandelt werden müsse – auch, weil der „Frequenzdruck und die Zahl der Untersuchungen mehr werden“.

Ähnlich sieht das Pazourek: „Aktuell haben wir einen Zustand, über den sich die Menschen zu Recht beschweren.“ Voraussetzungen für den neuen Vertrag seien aber aus Sicht der NÖGKK, dass künftig deutlich kürzere Wartezeiten sowie eine Reihung nach medizinischer Notwendigkeit gewährleistet würden und kürzere Wartezeiten durch Privatzahlung ausgeschlossen seien. „Diese Praxis gefällt uns nämlich gar nicht“, betont Pazourek.