Erstellt am 11. Februar 2016, 11:33

von Daniel Lohninger und Nadja Straubinger

St. Pöltner hoffen auf Iran. Ende der Sanktionen schafft neue Absatzchancen für Voith, Radlberger, Stauss-Perlite und Co.

Teheran ist ein Hoffnungsmarkt für viele St. Pöltner Unternehmer. Im April führt eine Wirtschaftsreise dorthin. Foto: Shutterstuck/Borna_Mirahmadian  |  NOEN, Shutterstuck/Borna_Mirahmadian

Vor wenigen Tagen hob die EU die 2007 verhängten Wirtschaftssanktionen gegen den Iran auf. Gerade die St. Pöltner Wirtschaft, mit vielen exportorientierten Unternehmen, macht sich jetzt Hoffnungen, die einst engen Beziehungen in das 75-Millionen-Einwohner-Land zu beleben.

„Es gibt einen Investitionsrückstau,
der das Land für fast alle Branche
interessant macht.“
Eva Hahn, Wirtschaftskammer

„Das Interesse der heimischen Wirtschaft ist enorm. Es gibt einen jahrzehntelangen Investitionsrückstau, der das Land für fast alle Branchen interessant macht“, erklärt Eva Hahn, Leiterin der Abteilung für Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer.

Vor allem Unternehmen, die in den Bereichen Infrastruktur, Bau und Industrieanlagen tätig seien, könnten sich Hoffnungen machen.

Aus diesem Anlass reist im April auch eine NÖ-Delegation mit Vertretern der St. Pöltner Wirtschaft in den Iran. „Hier geht es um Marktsondierung. Die Wirtschaftskammer vereinbart dabei abgestimmte Gespräche mit Vertretern der iranischen Wirtschaft“, so Hahn.

Zu den St. Pöltner Betrieben, die im Iran auf die Erschließung neuer Geschäftsfelder hoffen, zählt der Getränkehersteller Egger/Radlberger. „Wir sind bereits mit mehreren potenziellen Partnern in Gesprächen und sehen hier große Chancen für unsere Produkte“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Prosser. Stark sei vor allem die Nachfrage nach Energy-Drinks – ein Sektor, in dem Radlberger mit den Marken „Imola“ und „Energy Rocket“ auf dem Markt ist.

Schnelle Lösungen für Zahlungsverkehr gefordert

Groß ist das Interesse am iranischen Markt auch bei Voith. In den Sparten Hydro und Turbo hofft man in St. Pölten auf neue Aufträge. „Durch das weitgehende Ende der Sanktionen sind wieder Investitionen in
Infrastrukturprojekte möglich – in Projekte, die das tägliche Leben der Menschen im Iran verbessern“, führt Kristine Adams von der Kommunikationsabteilung des Konzerns aus.

Voith hofft, beispielsweise bei Getrieben für Schienenfahrzeug- und Bushersteller ins Geschäft zu kommen, aber auch bei Wasserkraftprojekten gebe es große Perspektiven. Aufbauen könne man auf einer langen Tradition, so Adams: „Voith hat seit den 1970er-Jahren eine deutlich zweistellige Zahl an Wasserkraftwerken im Iran realisiert.“

Nach dem Ende der Sanktionen dürfe sich Voith wieder an Ausschreibungen beteiligen. Allerdings: Voraussetzung für den Geschäftsabschluss ist wie woanders auch die Finanzierung. Adams in Richtung der Banken: „Hier braucht die Industrie schnelle Lösungen für den Zahlungsverkehr.“

Enge Kontakte in den Iran pflegte einst auch Stauss-Perlite. Mit dem Embargo sei die Entwicklung des Geschäfts aber schlagartig eingebrochen. Geschäftsführer Andreas Stefenelli war nun bereits mit einer Handelsdelegation vor Ort. „Wir hoffen jetzt, wieder anknüpfen zu können“, so Stefenelli.

Besonders im Dämmstoff- und Agrarbereich gebe es gute Aussichten. Mit einer positiven Entwicklung des Marktes im Iran könnte das Unternehmen seinen Umsatz verdoppeln. Bis die ersten Anlagen geliefert werden können, werde es aber mindestens ein Jahr dauern.

Styx hat schon ersten iranischen Kunden

Auch in der Region um die Landeshauptstadt erwarten sich exportorientierte Unternehmen viel von der Aufhebung der Sanktionen. „Der iranische Markt ist von Interesse, insbesondere für die Bereiche Food und Pharma“, berichtet Daniel Smith, Sprecher der Constantia Flexibles Group mit Werk in Weinburg.

Derzeit werde daran gearbeitet, neue Kundenbeziehungen aufzubauen. „Constantia Flexibles ist mit den Stammwerken in Niederösterreich sowie dem Werk in der Türkei gut aufgestellt, um die zukünftige Nachfrage zu decken“, so Smith.

Styx Naturcosmetic hat bereits einen Kunden im Iran, wie der Ober-Grafendorfer Unternehmer Wolfgang Stix bestätigt. „Wir haben vor einem Monat das erste Mal geliefert, jetzt müssen wir schauen, wie es läuft“, sagt Stix. Die Aufhebung des Embargos bringe sicher eine Belebung des Geschäfts, die Einbußen durch das Russland-Embargo könnten dadurch aber nicht kompensiert werden.
 


Blau-Gelbe Geschäfte im Iran:

  • 2010 exportierten Betriebe aus Niederösterreich noch Waren im Wert von insgesamt 73 Millionen Euro in den Iran und importierten Waren im Wert von 285,2 Millionen Euro aus dem Land im Nahen Osten.

  • 2014 exportierten Betriebe aus Niederösterreich Waren im Wert von 43 Millionen Euro in den Iran und importierten lediglich Waren im Wert von 4,4 Millionen Euro aus dem Iran.

Quelle: NÖ Wirtschaftskammer