Erstellt am 15. März 2016, 04:29

von Daniel Lohninger

Startschuss für ÖBB-Campus. Eisenbahn-Ausbildung wird in St. Pölten gebündelt. 80 Millionen Euro werden auf Areal des TS-Werks investiert.

Gerald Klug versucht sich am Lok-Simulator. FH-Geschäftsführer Gernot Kohl, Stadtchef Matthias Stadler und Bahntechnologie-Studiengangsleiter Otfried Knoll schauen ihm über die Schulter.Lohninger  |  NOEN, Lohninger

Wer in Zukunft in Österreich eine Eisenbahn-Ausbildung machen will, kommt um St. Pölten nicht herum. Im geplanten ÖBB-Bildungscampus auf dem Areal des Werks für Technische Services in der Nähe des Alpenbahnhofs werden alle Bahn-Ausbildungsformen, aber auch Fortbildungsangebote, konzentriert. Die Bildungszentren Wörth und Wien werden hier gebündelt und mit der Lehrwerkstätte und dem Lehrlingsheim vereint. Durch die Kooperation mit der FH ist auch die akademische Eisenbahn-Ausbildung gewährleistet.

„Wir schaffen hier das modernste Ausbildungszentrum Europas“, betonte Infrastrukturminister Gerald Klug (SP) bei der Besichtigung des Areals in der Vorwoche. 80 Millionen Euro werden insgesamt in den Standort investiert. Entstehen wird der Bildungscampus dort, wo sich derzeit die Diesellok-Hallen des TS-Werks befinden. Die werden innerhalb des 60.000-qm-Areals übersiedelt.

Kooperation mit FH St. Pölten

Umfassen wird der Bildungscampus unter anderem an die 30 Seminarräume, eisenbahnspezifische Räumlichkeiten mit Lehrstellwerken, Modellanlagen und Simulatoren, Aufenthaltsräume, Büros für die 65 Mitarbeiter und einen Nächtigungstrakt mit 240 Betten. Zudem werden Übungshallen für Gleisbau und Zugräumungen sowie auf dem Außenareal Gleisanlagen, Weichen und Oberleitungsanlagen für Übungszwecke gebaut. Räumlich getrennt vom neuen Hauptgebäude bleibt die Lehrlingsausbildung. Die moderne Lehrwerkstätte wird weiter genutzt, das Lehrlingsheim wird abgerissen und direkt neben der Lehrwerkstätte neu errichtet.

Dritter Eckpfeiler der Aufwertung des Areals ist das TS-Werk. Hier, wo etwa 500 Mitarbeiter mit der Instandhaltung, Reparatur und Modernisierung von Waggons, Triebwagen und Unfallwagen beschäftigt sind, werden die Produktionsstätten neu strukturiert. 23 Millionen Euro sind für diese notwendigen Neu- und Umbauten budgetiert. Noch in diesem Jahr wird mit den Arbeiten begonnen, damit die neuen Produktionsstätten rechtzeitig vor Beginn der Bauarbeiten für den Bildungscampus fertig sind.

„Unser Ziel ist es, zu den Top-10 der Arbeitgeber Österreichs zu zählen. Mit dem Konzept, unsere Ausbildungsaktivitäten an einem Standort zu konzentrieren, setzen wir dafür einen wichtigen Schritt“, erklärte ÖBB-Chef Christian Kern die Gründe für die kräftige Investition.

"Neue ÖBB-Campus ist eine historische Weichenstellung"

Applaus für die Weichenstellung gibt’s auch von der Politik. „Der neue Bildungscampus wird die Qualität in der Ausbildung weiter heben“, freute sich Verkehrslandesrat Karl Wilfing. Bürgermeister Matthias Stadler strich die Bedeutung der Investition für die Stadt hervor: „Der neue ÖBB-Campus ist eine historische Weichenstellung für den Bildungsstandort.“ Die Investitionen sowie die zusätzlichen Arbeitsplätze seien zudem ein wichtiger Impuls für die Wirtschaft. SP-Verkehrssprecher Anton Heinzl betonte erneut, dass die Entscheidung auch ein Erfolg für die Politik sei, die gegen frühere ÖBB-Pläne rechtzeitig Widerstand geleistet habe: „Es ist noch nicht lange her, dass die ÖBB das TS-Werk schließen wollten.“