Erstellt am 26. April 2016, 12:37

von APA Red

Tankstellen-Überfälle: "Konnte Urlaub nicht bezahlen". Angeklagter betonte, er habe 17- und 21-Jährige nicht zu Überfällen gezwungen - Beziehungsstreit mit einer der Mitbeschuldigten endete mit zwei Ohrfeigen.

Nach Verstecken der behördlich obsorgepflichtigen Kinder droht Vater nun Prozess wegen Entführung.  |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at
Alle drei Angeklagten sind im Prozess um zwei Tankstellen-Überfälle in Ober- und Niederösterreich am Dienstag in St. Pölten schuldig gesprochen worden.

Der 19-Jährige wurde auch wegen gefährlicher Drohung und Körperverletzung verurteilt und fasste drei Jahre Freiheitsstrafe aus, für seine ehemalige Partnerin (21) setzte es zwei Jahre Haft, die 17-Jährige erhielt ein Jahr bedingt.

19-Jähriger war "Triebfeder"

Das Urteil ist rechtskräftig. Richter Markus Grünberger bezeichnete den 19-Jährigen als "Triebfeder" für die Raubüberfälle am 19. Jänner in Asten (Bezirk Linz-Land) und St. Valentin (Bezirk Amstetten). Besonders missfallen habe dem Schöffensenat, dass die zum Tatzeitpunkt noch 16-jährige Angeklagte angeworben wurde. Bei Raub handle es sich um ein "Kapitalverbrechen", betonte der Richter.

Beim 19-Jährigen, der als Beteiligter an den beiden Raubüberfällen schuldig gesprochen wurde, kamen erschwerend eine einschlägige Vorstrafe und eine offene Probezeit hinzu. Eine zuvor gewährte bedingte Strafnachsicht im Ausmaß von drei Monaten wurde widerrufen. Mildernd wertete der Schöffensenat das teilweise Geständnis des Beschuldigten. Vom Vorwurf der Sachbeschädigung wurde der junge Mann im Zweifel freigesprochen.

Bei den weiblichen Angeklagten (17 und 21) war das Begehen von zwei Straftaten ein Erschwernisgrund, mildernd wirkte sich bei beiden ihr Geständnis und ihr bisher ordentlicher Lebenswandel aus. Die 17-Jährige erhielt außerdem die Weisung zu Bewährungshilfe und zu einer Psychotherapie.

Über den Prozess:

"Ich habe den Urlaub nicht bezahlen können", sagte der Angeklagte (19) im Schöffenprozess in St. Pölten um zwei Tankstellen-Überfälle in Oberösterreich und Niederösterreich am Dienstag.

Dann habe er der 21-jährigen Mitbeschuldigten einen Raub vorgeschlagen. Mit der jungen Frau befand sich der Angeklagte in einer On-Off-Beziehung, die beiden hatten eine Reise zu zweit geplant.

Die 21-Jährige gab an, dass ursprünglich sie bei der Tat am 19. Jänner als Lenkerin fungieren sollte und ihr Freund und die 17-Jährige den Raub begehen sollten.

"Habe die beiden nicht dazu gezwungen"

"Am Tag des Überfalls hat er dann gesagt, dass er wegen seiner Thrombose nicht in die Tankstelle hineingehen kann", gab die ältere der beiden weiblichen Angeklagten an, die sich derzeit in Untersuchungshaft befindet. Das habe er gesagt "in der Hoffnung, dass die beiden einen Rückzieher machen, weil es mir zu riskant geworden ist", meinte der 19-Jährige, ebenfalls in U-Haft.

Er betonte: "Ich habe die beiden nicht dazu gezwungen." Zuerst überfielen die beiden weiblichen Angeklagten eine Tankstelle in Asten (Bezirk Linz-Land). "Während der Autofahrt weg von der Tankstelle in Asten habe ich die Beute aufgeteilt", sagte die 21-Jährige.

Dann wurde noch ein weiterer Überfall in St. Valentin (Bezirk Amstetten) verübt. "Ich habe mit der Angestellten geredet und sie abgelenkt, und als der Zeitpunkt gepasst hat, habe ich eine Nachricht geschrieben", erzählte der Angeklagte.

Angeklagter drohte auch mit Mord

Wenige Stunden später klickten für die beiden jungen Frauen die Handschellen. Der 19-Jährige galt zunächst als Zeuge, wurde aber schließlich als Beschuldigter festgenommen.

Zu den weiteren Vorwürfen gegen den Angeklagten - unter anderem Drohungen - erzählte die 21-Jährige, dass er sie am Neujahrstag 2016 in der Früh mit dem Umbringen bedroht habe. Mehrmals sei es zu gewalttätigen Übergriffen gekommen. Auch ihren Vater habe der Beschuldigte bedroht.

Der Angeklagte gab zu, die junge Frau beschimpft und ihr bei einem Streit in der gemeinsamen Wohnung im Oktober 2015 zwei Ohrfeigen verpasst zu haben, bestritt aber, Drohungen ausgesprochen zu haben. Das Wurfmesser, das bei ihm im Auto gefunden wurde, gehöre ihm nicht.