Erstellt am 27. Januar 2016, 05:28

von Martin Gruber-Dorninger

„Teste gerne meine Limits“. Interessanteste Persönlichkeiten / St. Pöltnerin Marion Marschalek (28) wurde von Magazin in Kategorie „Technologie“ als eine der wichtigsten Europäer unter 30 Jahren angeführt. ST. PÖLTEN / Das Forbes-Magazin stellt Ranglisten auf.

Die St. Pöltnerin Marion Marschalek gehört zu den 30 interessantesten Jungeuropäern. Foto:  |  NOEN, zVg

Das Forbes-Magazin stellt Ranglisten auf. Wer hat das meiste Geld? Wer ist am einflussreichsten? Aber auch: Wer gehört zu den 30 interessantesten Europäern unter 30 Jahren? Mittendrin statt nur dabei in diesem Ranking, ist die St. Pöltnerin Marion Marschalek in der Kategorie „Technologie“.

Sie hat in der HTL und der FH St. Pölten ihr Handwerkszeug erlernt, verfeinerte ihre Kenntnisse aber auch im Selbststudium. „In eine spezifische Fachrichtung muss man sich danach selbst entwickeln. Aber was HTLs und besonders Fachhochschulen super vermitteln, ist selbstständiges Erarbeiten von Lösungen“, sieht Marschalek darin ihren Wissens-Grundstein gesetzt. Dies brachte ihr nicht nur einen Posten als Lektorin an der FH St. Pölten ein, „ich habe kürzlich eine Stelle bei GDATA Advanced Analytics angetreten, wo ich helfen soll eine Research Abteilung aufzubauen“, so Marschalek.

Marschalek in Magazin um sieben Jahre jünger

Aufgrund ihrer Expertise ist sie in allen Orten der Welt unterwegs und hält Vorträge. Hie und da gibt sie auch Interviews in Radiosendungen. Ihre Meinung ist wichtig und daher kommt die Aufnahme in diese Forbes-Liste nicht von Ungefähr. Über den Artikel zeigt sie sich amüsiert, denn dieser machte sie gleich um sieben Jahre jünger. Tatsächlich ist sie 28 und nicht, wie im Artikel behauptet, 21. „Meinen Namen auf der ,30 under 30’-Liste wieder zu finden, kam unerwartet. Ich habe viel erreicht in den letzten Jahren, zumeist war das aber mit viel Arbeit und strapazierten Nerven verbunden“, spricht Marschalek von einer harten Zeit. Von Forbes überhaupt beachtet zu werden, sei natürlich ein Knaller. „Ich bin stolz darauf“, verrät Marschalek.

Ihren Ausgleich sucht sie in recht anspruchsvollen Sportarten wie Mountainbike-Downhill, Karate oder Klettern: „Ich teste gerne meine Limits.“
 


Interview mit Marion Marschalek:  "Es ist mir eine Ehre zu den „30 under 30“ zu gehören".


Was bedeutet für Sie die Aufnahme auf die Forbes-Liste?
Marion Marschalek: Meinen Namen auf der „30 under 30“ Liste wieder zu finden kam beinahe unerwartet. Ich habe viel erreicht in den letzten Jahren, zumeist war das aber mit viel Arbeit und strapazierten Nerven verbunden. Von Forbes überhaupt beachtet zu werden ist natürlich ein Knaller, ich bin super stolz darauf. Die Tatsache jedoch, dass ich konkret dafür keine schlaflosen Nächte investiert habe und die Sache dennoch viel Aufmerksamkeit erregt irritiert mich etwas. Nichtsdestotrotz, es ist mir eine Ehre zu den „30 under 30“ zu gehören.

Sie sind eine weltweit sehr gefragte Frau. Müssen Sie viel reisen?
Ja, ich reise viel, aber hauptsächlich innerhalb Europas. Jeder Trip nach Übersee bringt Jetlag und die damit verbundenen Probleme, aber ich versuche die dann immer mit so viel Schlaf wie möglich auszukurieren. Flughäfen an sich mag ich gar nicht so ungern, sie bieten oft annehmliche Arbeitsplätze und länderspezifische Kulinarik.

Wird einem an der HTL oder der Fachhochschule so etwas wie Cyber oder IT-Security beigebracht?
An der Fachhochschule in St. Pölten habe ich IT- beziehungsweise Information Security studiert. Natürlich legt das die Grundsteine für ein solides Security Verständnis, in eine spezifische Fachrichtung muss man sich danach dennoch selbst entwickeln. Aber was HTLs und besonders auch die Fachhochschulen super vermitteln ist selbstständiges Erarbeiten von Lösungen.

Was machen Sie mit diesem Wissen?
Zur Zeit bin ich damit beschäftigt mich in einen neuen Job einzuarbeiten. Ich habe vor kurzem eine Stelle bei GDATA Advanced Analytics angetreten, wo ich helfen soll eine Research Abteilung aufzubauen. Wir werden den Security Consulting Bereich in Mitteleuropa aufmischen, mit besonderem Fokus auf APT Attacken (Advanced Persistent Threat).

"In den letzten Jahren haben sich viele Paradigmen verschoben"

Was ist Cyber- und IT-Security? Kann man sich das so vorstellen – Programmierer von Sicherheitssoftware gegen Hacker?
Cyber- und IT-Security bezeichnet den Schutz von IT-Systemen und Daten vor unerlaubtem Zugriff oder Veränderung durch Dritte. Das Feld ist sehr breit gefächert, es beinhaltet beispielsweise Netzwerksicherheit, Websicherheit, Schutz von Privatsphäre im Internet oder, wie in meinem Fall, auch die Analyse von Sicherheitsvorfällen und der dabei benutzten Werkzeuge. Die Zeit wo die Guten gegen die Bösen gekämpft haben ist jedoch leider vorbei. Speziell in den letzten Jahren haben sich viele Paradigmen verschoben. Heute gibt es Hacker die für legitime Firmen arbeiten und Firmen, die bei fragwürdigen Geschäften mitmischen. Kurz gesagt, das Feld der IT-Sicherheit ist in den letzten Jahren unerwartet bunt geworden.

"Ein Auge für Schwachstellen und ein großer Hang zur Neugierde"

Muss ein Programmierer nicht der bessere Hacker sein?
Was Hacker vor allem auszeichnet ist ein Auge für Schwachstellen und ein großer Hang zur Neugierde. Viele Menschen, wenn sie ein neues Spielzeug erhalten, ein Mobiltelefon zum Beispiel, fragen sich welche Features es unterstützt. Ein Hacker würde sich jedoch sofort fragen, wie sich das neue Spielzeug zu Zwecken nutzen lässt, für die es nicht konstruiert wurde. Programmieren an sich ist ja auch nur eine der Fertigkeiten, die man gegebenenfalls braucht.

Wie sicher sind unsere Daten in der vernetzten Welt?
Das ist eine schwierige Frage. Um Datensicherheit festzustellen sollte man zuerst Bedrohungsszenarien definieren. Zu fragen wie sicher meine Daten sind macht erst Sinn, wenn ich weiß wer dahinter her ist. Viele Sicherheitskonzepte bauen darauf auf, wer der vermeintliche Gegner ist, nicht wer in der Tat ein Risiko darstellt. Für viele ist beispielsweise der eigene Partner als Hacker gefährlicher als ein Cyberkrimineller in Russland. Bei Unternehmen ist der Einsatz von schwachen Passwörtern oft gefährlicher als sogenannte 0-Day Exploits. Natürlich jedoch ist die Gesamtsituation in unserer „Post-Snowden“-Ära etwas verrückt. Dass eine unsichtbare Übermacht all unsere Daten sammelt, um sie eventuell zu einem späteren Zeitpunkt gegen uns einzusetzen passt in kaum ein Bedrohungsszenario. Da gilt dann nur noch das Prinzip, Information ist nur dann sicher, wenn ich sie nicht von mir gebe. Das hört sich überspitzt an, tatsächlich jedoch sollte sich heutzutage jeder Gedanken darüber machen welche seiner Daten wo zu finden sind und ob sie dort auch wirklich hin gehören.

"Sehr riskant, aber auch sehr unterhaltsam" 

Mountainbiken tun Sie auch. Ein guter Ausgleich?
Natürlich! Genau genommen heißt das Downhillen was ich mache. Dabei geht es darum mit dem Bike so schnell wie möglich den Berg runter zu rollen. Sehr riskant, aber auch sehr unterhaltsam und man stößt dabei schnell an seine körperlichen Limits. Ich teste gerne meine Grenzen. Es heißt ja, wenn man die einmal gefunden hat, kann man sich darüber hinaus entwickeln. Nebenher lerne ich Karate und geh hin und wieder ganz gern Klettern. Diese Sportarten fordern mich sehr und helfen natürlich auch auf andere Gedanken zu kommen.