Erstellt am 12. April 2017, 05:02

von Daniel Lohninger und Nadja Straubinger

Entscheidende Phase für die S 34. Bis Ende Mai kann im UVP-Verfahren Einspruch gegen Traisental-Schnellstraße eingereicht werden. Der Bau soll 2019 starten.

Über die S 34-Pläne informierten im VAZ Projektleiter-Stellvertreter Norbert Baumberger, Projektleiter Leopold Lechner sowie Silvia Kovacs und Christof Dauda vom Amt der NÖ Landesregierung.  |  NOEN, Straubinger

43 Jahre nach den ersten Überlegungen für eine Traisental-Schnellstraße steht die S 34 kurz vor der Realisierung. Seit vergangenem Mittwoch liegen die Pläne für die neun Kilometer lange Strecke von St. Pölten bis Wilhelmsburg und die Spange Wörth im Magistrat St. Pölten sowie in den Gemeindeämtern Ober-Grafendorf und Wilhelmsburg zur Einsichtnahme auf. Bis Ende Mai können Einsprüche bei der Umweltabteilung des Landes (RU 4) sowie im Infrastrukturministerium eingebracht werden.

NOEN

Die erste öffentliche Präsentation der Pläne im VAZ verlief ruhig. „Viele haben sich informiert. Die Gesprächsbasis war durchwegs konstruktiv“, berichtet Projektleiter Leopold Lechner. Die Zeit der grundsätzlichen Debatte über die Sinnhaftigkeit der S 34 sei vorbei, jetzt gehe es um Fragen der Umsetzung. Die schriftlich eingebrachten Einwände werden von Sachverständigen bewertet. Parteistellung haben nicht nur Anrainer, sondern auch Umweltanwalt, Standort-Gemeinden und angrenzende Gemeinden, Bürgerinitiativen sowie Umweltorganisationen. Im Herbst wird die mündliche UVP-Verhandlung stattfinden.

Stadt Wilhelmsburg kündigt Einspruch an

Bei der Asfinag rechnet man damit, dass es Einsprüche geben wird. Ob die den für 2019 geplanten Baubeginn verzögern können, ist noch nicht absehbar. Das hängt vor allem davon ab, ob der UVP-Bescheid wie vorgesehen im nächsten Frühjahr da ist und dann auch hält. Wird er beeinsprucht und landet beim Bundesverwaltungsgericht, ist mit einer Verzögerung um zumindest ein weiteres Jahr zu rechnen.

Einen Einspruch aus Wilhelmsburg werde es auf jeden Fall geben, versichert Bürgermeister Rudolf Ameisbichler (SP): „Die S 34 in dieser Form ist für uns inakzeptabel.“ Grund für den Ärger ist, dass die vierspurige Schnellstraße in Wilhelmsburg in die zweispurige B 20 mündet. „Das kann sich nicht ausgehen“, so Ameisbichler.

Das gelte umso mehr, als 2030 anstatt der gegenwärtig 16.000 hier 20.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs sein werden. Die einzig sinnvolle Lösung wäre, zuerst die B 334 nach Traisen auszubauen und Wilhelmsburg zu umfahren. Ameisbichler fürchtet zudem, dass durch die leistungsfähige Straße vermehrt Kaufkraft abfließe.

Einspruch aus Ober-Grafendorf noch offen

Skeptisch sieht man die Pläne auch in Ober-Grafendorf. „Ob wir Einspruch erheben, lassen wir offen. Wir brauchen die Schnellstraße jedenfalls nicht“, erklärt Bürgermeister Rainer Handlfinger (SP). Mit und ohne S 34 steige die tägliche Fahrzeug-Frequenz bis 2030 im Ort von 10.000 auf 16.000. Deshalb ist die Minimalforderung ein Autobahn-Anschluss im Westen von Ober-Grafendorf.

S 34 soll Transitverkehr durch Stadt reduzieren

Während im Umland die Bedenken gegen die S 34 nicht ausgeräumt sind, wartet man im St. Pöltner Rathaus schon sehnsüchtig auf die Verkehrsentlastung der Mariazeller Straße, aber auch der Nord-Süd-Achse durch Stattersdorf und Harland. 31.000 Fahrzeuge sind bereits jetzt pro Tag auf diesen Nord-Süd-Routen unterwegs, 2030 werden es laut Prognose 48.000 sein.

Ohne S 34 droht der Stadt der Verkehrskollaps, vor allem auf der Ausweichroute. Entlastung gebe es erst, wenn die S34 als Teil einer noch zu errichtenden Westumfahrung den Verkehr binde, meint Bürgermeister Matthias Stadler (SP). Die hat die Stadt in dem mit dem Land gemeinsam erstellten Generalverkehrskonzept auch festgeschrieben. „Fahrzeuge, die nicht bloß durch die Stadt fahren, sollen künftig außen vorbei geleitet werden“, erklärt Stadler.

Wichtige Argumente für die S34 seien auch die Verbesserung der Standortqualität der Gewerbe- und Industrieflächen St. Pölten-Süd und Wilhelmsburg-Nord sowie der direkte Anschluss des Pielachtals an das Autobahn-Netz. Ähnlich argumentiert SP-Bundesverkehrssprecher Anton Heinzl: „Die S34 bringt die dringend notwendige Entlastung der Mariazeller Straße und ihrer Anrainer.“ Er ist zuversichtlich, dass der Zeitplan hält.

Die zweite S 34-Planungsausstellung findet am Dienstag, 25. April, von 16 bis 19 Uhr im VAZ statt. Land und Asfinag stehen dabei Rede und Antwort.