Erstellt am 15. Dezember 2015, 04:58

Tschadek-Straße nach Aktenfund am Pranger. Vier Todesurteile kratzen am Bild des ehemaligen Justizministers. Straßenname steht zur Diskussion.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)

Fünf Jahre ist es her, dass der Politologe Thomas Geldmacher in einem deutschen Archiv mehrere Akten fand, die belegen, dass der ehemalige Justizminister und Landeshauptmann-Stellvertreter Otto Tschadek im Zweiten Weltkrieg mindestens vier Todesurteile gesprochen hat, eines wurde sogar von seinen Vorgesetzten aufgehoben, weil es ihrer Meinung nach zu hart war.

Die Neubewertung der Rolle des SPÖ-Politikers in der Kriegszeit hatte bislang in St. Pölten aber noch keine Auswirkungen. Die Doktor-Otto-Tschadek-Straße verbindet weiterhin den Niederösterreichring mit der Purkersdorfer Straße.

Stadt ist sich der Problematik bewusst

„Die Problematik der Straßenbenennung nach Otto Tschadek ist dem zuständigen Fachbereich bewusst“, erklärt Kulturamtsleiter Thomas Karl. Wie in vielen anderen Städten Österreichs gebe es eben auch in St. Pölten immer wieder Straßen, die nach an sich verdienten Persönlichkeiten benannt seien, „deren Glanz sich bei intensiver Nachforschung oft ins Gegenteil verkehrt“.

Diskussion über Nazi Straße

Ob die Straße umbenannt oder eine andere Lösung gefunden werde, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht fix, so Karl: „Wir haben jüngst auch in überregionalen Gremien diskutiert, um die bestmögliche Lösung für den Umgang mit derart problematischen Benennungen zu finden.“

Zu bedenken sei grundsätzlich, so Karl, dass die Umbenennung von Straßen immer mit einem erheblichen administrativen und finanziellen Aufwand verbunden sei.