Erstellt am 25. November 2015, 10:13

von Jutta Streimelweger

Uneinigkeit über die Bildungsreform. Die Bildungsreform wurde präsentiert. Die NÖN hat bei den St. Pöltner Direktoren nachgefragt, was sie von ihr halten.

 |  NOEN, APA/Georg Hochmuth
SPÖ und ÖVP präsentierten die Bildungsreform – an den St. Pöltner Schulen fallen die Reaktionen auf die geplanten Neuerungen gemischt aus. Die Reform sieht vor, dass aus Landesschulrat neun Bildungsdirektionen werden soll – als gemeinsame Bund-Länder-Behörde.

„Die Umbenennung in Bildungsdirektion allein wird noch nichts bewirken“, erklärt HTL-Direktor Johann Wiedlack: „Welche Auswirkungen die Abschaffung der Kollegien haben wird, muss die gelebte Praxis der Bestellungen zeigen.“ Ob Landesschulrat oder Bildungsdirektion ist für BORG-Direktor Hans Angerer sekundär: „Wichtig sind kompetente Ansprechpartner.“

Keine Einigkeit bei der Gesamtschul-Debatte

Die Meinungen gehen besonders beim Reformpunkt Gesamtschule auseinander. Diese soll in Modellregionen kommen – allerdings nicht flächendeckend, da eine Obergrenze von 15 Prozent festgelegt wurde.

Für Roswitha Weber, Direktorin der Grillparzer Volksschule, enttäuschend und auch Reinhard Binder, Direktor der Dr. Theodor Körner Sportmittelschule, hätte sich eine bundesweite Lösung gewünscht: „Meine Traumschule wäre eine für alle 10 bis 14-Jährigen, mit Vormittags- und Nachmittagsunterricht, in der Schüler Hausaufgaben erledigen, die bauliche Infrastruktur passt und gute Schüler gefördert und die anderen gefordert werden.“

„Der Weiterbestand der Gymnasien
ist gesichert – es wäre auch unsinnig,
diese erfolgreiche und beliebte
Schulart zu beseitigen.“
Hans Angerer, BORG-Direktor


Gegenteilig sehen das Hans Angerer und BORGL-Direktorin Gabriele Schletz. Angerer: „Der Weiterbestand der Gymnasien ist gesichert – es wäre auch unsinnig, diese erfolgreiche und beliebte Schulart zu beseitigen.“

Schletz hätte sich ein klareres Bekenntnis zum differenzierten Schulsystem gewünscht: „Denn es ist eine Illusion zu glauben, dass jedes Kind jedes Ziel erreichen kann. Menschen haben eben unterschiedliche Begabungen, Eigenschaften und Interessen.“

Einigkeit herrscht hingegen bei der Ausweitung der Entscheidungsfreiheit der Direktoren bei der Einstellung von Lehrern: „Das ist ein wichtiger Schritt im Sinne der Schulqualität“, so Weber, schließlich müsse der neue Kollege auch ins Team passen.

Ihr großer Wunsch wären dennoch mehr Ressourcen: „Für Fachkräfte und Lernpersonal, um den Anforderungen gerecht zu werden.“ Mehr Mittel – personell und finanziell – wünscht sich auch Angerer: „Damit die Bildungsreform kein Sparpaket wird.“

Zitiert

„Mehr Entscheidungsfreiheit für Direktoren klingt natürlich positiv, jedoch sind hier die detaillierten Rahmenbedingungen abzuwarten.“
BORGL-Direktorin Gabriele Schletz

„Mehr Schulautonomie ist seit Langem ein Wunsch. Bei Personalangelegenheiten wird man sich vermutlich nach wie vor trotzdem nach den Ressourcen richten müssen.“
TMS-Direktor Michael Hörhan

„Bisher habe ich als Schulleiter ausreichend Freiheit empfunden. Wenn jetzt noch mehr geht, werden wir auch das nutzen, vorausgesetzt, es ist budgetmäßig zu bedecken.“
HTL-Direktor Johann Wiedlack

„Sich über die Bildungsreform zu äußern, kommt verfrüht. Schlussendlich liegen ja nur Absichtserklärungen vor, die bloß mit kosmetischen Operationen vergleichbar sind. Bahnbrechende substanzielle Änderungen waren nicht zu erwarten, denn in Wahrheit haben Politiker verhandelt im Bemühen, die jeweils eigenen Interessen zu wahren – die Bedürfnisse der Schulen sowie die Unsinnigkeiten im System standen nicht im Fokus.“
BAKIP-Direktor Friedrich Gonaus


Die Fakten:

Bildungsdirektionen: Bund-Länder-Behörde mit Bundesbediensteten als Direktor, der vom Landeshauptmann bestellt wird.

Gesamtschule: Schaffung von Modellregionen ohne Flächendeckung, da höchstens 15 Prozent Gesamtschulen sein dürfen.

Kindergartenjahr: Ein zweites Jahr wird verpflichtend.

Bildungskompass: Alle Kinder ab 3,5 Jahren sollen den Pass bekommen, der bis zum Schulaustritt besteht.

Mehr Freiheiten: Direktoren sollen bei Neuanstellungen von Lehrern mitreden können. Die Schulbehörde gewährleistet dabei die Verteilung an alle Schulstandorte. Es wird auch mehr pädagogische, finanzielle und personelle Spielräume geben.