Erstellt am 13. Mai 2016, 08:54

von Daniel Lohninger

Voith stellt sich neu auf. Paper bleibt mit Servicegesellschaft in der Stadt, neue Digital Solutions gegründet.

 |  NOEN, Magistrat St. Pölten

Wäre es nach den ursprünglichen Plänen gegangen, gäbe es Voith Paper jetzt am Standort nicht mehr. Für die Maschinen, die mittlerweile abgebaut sind, und einen Großteil der Belegschaft gilt das auch. Aber: Zumindest als Service-Gesellschaft ist der Fortbestand von Voith Paper am Standort St. Pölten weiter gewährleistet. Das erklärt die Konzernzentrale in Heidenheim auf NÖN-Anfrage. Der Fokus des St. Pöltner Paper-Standortes liegt allerdings rein auf der Wartung und Servicierung bestehender Papiermaschinen, produziert wird nicht mehr.

Heftiger Job-Kahlschlag bei Voith Paper

Die Bilanz des Job-Kahlschlags bei Voith Paper fällt unterm Strich zwar heftig aus, allerdings weniger dramatisch als von der Konzernleitung ursprünglich kommuniziert. Von den befürchteten 200 Kündigungen waren im Endeffekt „nur“ 139 notwendig. 56 ehemalige Paper-Mitarbeiter konnten innerhalb des Konzerns in andere Sparten überführt werden.

„Wo eine Übernahme nicht möglich war, wurden die Arbeitsverhältnisse auf Basis des mit dem Betriebsrat vereinbarten Sozialplanes beendet“, erklärt Konzern-Sprecherin Kristine Adams. Ein Teil der Mitarbeiter sei in die dafür gegründete „Arbeitsstiftung Voith“ eingetreten, um sich über Qualifizierungsmaßnamen beruflich weiterzubilden. In vielen Fällen fanden die Mitarbeiter aber sehr schnell eine neue Beschäftigung: „Mehr als 90 Prozent sind heute wieder in Beschäftigung“, so Adams.

Nur mehr 430 Mitarbeiter in St. Pölten

Insgesamt sind nach der Kündigungswelle bei Voith in St. Pölten nur mehr 430 Mitarbeiter beschäftigt. In den 50er-Jahren waren beim Ableger des Traditionsunternehmens mehr als 2.500 Mitarbeiter tätig, im Rekordjahr 1961 sogar 3.031 und Anfang der 70er-Jahre immerhin noch über 2.000.

„Mehr als 90 Prozent sind heute wieder in Beschäftigung.“ Kristine Adams, Voith

In den Zukunftsplanungen spiele St. Pölten aber nach wie vor eine Rolle, versichert Adams. So werde derzeit der neue Konzernbereich Digital Solutions auch in St. Pölten aufgebaut. „In diesem Konzernbereich bündelt Voith sein gesamtes Know-how der Bereiche Automatisierung und Digitalisierung“, erklärt Adams. Ziel ist die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle für bestehende und auch noch nicht bediente Märkte: „Voith positioniert sich damit für die digitale Zukunft des Internets der Dinge.“ Damit seien in St. Pölten, so Adams, auch in Zukunft alle vier Voith-Konzernbereiche – Hydro, Paper, Turbo und Digital Solutions – vertreten.

Neuer Voith-Campus nimmt Formen an

Die nach dem Produktions-Aus bei Voith Paper leer stehenden Hallen und Büros füllt die Digital Solutions allerdings nicht. Das sollen Firmen, die auf die Voith-Infrastruktur zurückgreifen wollen und zugleich den zentralen Standort in Zentrumsnähe schätzen. Auf diesen etwa 30.000 Quadratmetern an Hallen und 18.000 Quadratmetern an Büroflächen soll der geplante Voith-Campus entstehen. Die Nachfrage nach den Flächen sei ausreichend vorhanden, betont Adams: „Es herrscht großes Interesse am Areal, es wurden bereits Mietverträge mit einigen Firmen unterzeichnet.“ Konkrete Details will sie derzeit aber noch nicht verraten.