Erstellt am 19. November 2015, 05:38

von Claudia Stöcklöcker

Von St. Pöltner geschlagen und gewürgt. 42-Jähriger soll Lebensgefährtin misshandelt haben und auf deren Vater losgegangen sein. „Beim Kampf kann man verletzt werden“, rechtfertigt er sich.

Landesgericht St. Pölten  |  NOEN, http://www.justiz.gv.at/

„Er ist kontrollsüchtig, aggressiv, handelt affektiv und ist chauvinistisch“, sagt die ehemalige Lebensgefährtin eines ´ über ihren Verflossenen. Der, ein türkischstämmiger St. Pöltner, sitzt auf der Anklagebank. Seine Frau soll er misshandelt haben, im Sommer eskalierte ein Streit und der 42-Jährige landete in U-Haft.

„Verhältnis ist schwierig, er ist sehr streng“

„Er hat mir vorgeworfen, dass ich ihn provoziert habe. Dann hat er mir eine Ohrfeige gegeben, mich mit dem Arm von hinten gewürgt und mir mit dem Umbringen gedroht“, erzählt das Opfer. Nicht nur sie, auch ihre Kinder hätten Angst. „Das Verhältnis ist schwierig, er ist sehr streng und mit den Kindern selten zufrieden“, erklärt die St. Pöltnerin.

Nach der handfesten Auseinandersetzung in der Wohnung eilte der Vater des Opfers zu Hilfe. „Draußen auf der Straße sind die beiden aneinandergeraten, ich habe versucht, sie auseinanderzuhalten“, so das Opfer.

Der Angeklagte habe sie dabei an den Haaren gerissen. „Dann hat er mich angesehen, die Faust geballt und zugeschlagen. Ich hatte zehn Tage lang ein blaues Auge“, berichtet die Frau.

Ob der 42-Jährige davor schon aggressiv war? Das Opfer bejaht: „Ich habe mir einmal mit den Kindern einen Film im Fernsehen angesehen. Er hat das Programm gewechselt und den Fernseher demoliert, gedroht, uns umzubringen und gesagt: ‚Ich werde nicht als Mann akzeptiert!‘“

Richterin verhängte fünf Monate bedingt

Ob der Angeklagte schuldig ist? Er beschwichtigt: „Man muss den ganzen Ablauf verstehen. Sie hat mich angepöbelt. Ich gebe zu, meine Hand war an ihrem Hals. ‚Ich bringe dich um‘, habe ich milieubedingt gesagt.“ Und der 42-Jährige weiters: „Auf der Straße hat ihr Vater ein Messer gezogen, es mir an die Schläfe geworfen und mich mit Pfefferspray attackiert. Es ist es zum Kampf gekommen, da kann man verletzt werden.“

Aggressiv sei er nicht: „Ich werde zuhause fertiggemacht, das wird hier einseitig betrachtet!“ Ob er bereit ist, sich einem Antigewalttraining zu unterziehen? „Freiwillig, nicht zwanghaft“, sagt er. Ob er Bewährungshilfe braucht? „Nicht verordnet, nur freiwillig!“ Die Richterin verordnet beides und verhängt wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung fünf Monate bedingt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Eingestellt wegen Geringfügigkeit wurde übrigens das Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Opfers.