Erstellt am 18. Dezember 2015, 05:03

Wien bleibt die erste Wahl. SVA zieht nach St. Pölten, die letzten verbliebenen NÖ-Institutionen in Wien haben das nicht vor.

AMS-Landeschef Karl Fakler verweist auf einen bis 2019 in Wien laufenden Vertrag.  |  NOEN, Mag. Barbara V. Ederer

Knapp 30 Jahre nachdem St. Pölten zur Landeshauptstadt wurde, ist ein Großteil der Einrichtungen für die Niederösterreicher bereits übersiedelt. Als bislang letzte Institution entschied sich die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA) dafür, Wien zu verlassen (die NÖN berichtete).

Anders als die SVA plant die SVB (Sozialversicherung der Bauern) keine Übersiedlung – so wie auch die letzten anderen in Wien verbliebenen NÖ-Institutionen. Grund dafür sei die 1974 gegründete Kooperation der Regionalbüros für NÖ und Wien in der Ghegastraße, erklärt SVB-Sprecher Georg Schwarz.

„Ein Aufbrechen dieser Bürogemeinschaft wäre mit nicht unwesentlichen Mehraufwendungen verbunden“, so Schwarz. Für die Versicherten würde die SVB an 21 Kammerstandorten Beratung und Information über die Servicemitarbeiter anbieten, die SVB sei damit flächendeckend vor Ort.

„Es gibt aktuell keine Übersiedlungspläne“

Während Arbeiterkammer und Landes-ÖGB mit ihren insgesamt 300 Mitarbeitern im Februar ins neue "ArbeitnehmerInnenzentrum" in der Herzogenburger Straße einziehen, bleibt Wien beim AMS mit seinen 125 Mitarbeitern in der Landesstelle vorerst erste Wahl. „Es gibt aktuell keine Übersiedlungspläne“, erklärt Landesgeschäfts-führer Karl Fakler.

Hauptgrund dafür sei, dass es für den aktuellen Standort in der Hohenstaufengasse einen unbefristeten Mietvertrag gibt, der frühestens zum Jahresende 2019 aufgekündigt werden kann. Fakler: „Für darüber hinausgehende Pläne gibt es aus heutiger Sicht keine Notwendigkeit.“

„Übersiedlung ist aktuell kein Thema“

65 Mitarbeiter sind bei der NÖ Ärztekammer in der Wipplingerstraße beschäftigt. Während Zahnärzte- und Tierärztekammer seit Jahren in St. Pölten ansässig sind, planen die Ärztevertreter auch künftig keine Verlegung des Standortes in die Landeshauptstadt.

„Wir haben bereits zwei Umfragen unter unseren Mitgliedern gemacht. Beide gingen zugunsten von Wien
aus“, erklärt NÖ-Ärztekammer-Sprecherin Birgit Jung. Mit ein Grund sei wohl die zentrale Lage im 1. Bezirk. Ob langfristig eine Übersiedlung nach St. Pölten ein Thema sei, lasse sich nicht sagen – „aber aktuell ist das kein Thema“, so Jung.

Aktuell keine Übersiedlungspläne wälzen auch die in der Spitalgasse in Alsergrund ansässige NÖ Apothekerkammer sowie die am Schwarzenbergplatz beheimatete NÖ Industriellenvereinigung. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. „Das Haus, in dem sich unser Büro befindet, gehört dem Apothekerverband und wurde erst renoviert.

Umzug nicht wirtschaftlich

Es wäre wirtschaftlicher Unsinn, jetzt zu übersiedeln“, erklärt Apothekerkammer-Präsident Heinz Haberfeld. Abgesehen vom zusätzlichen Kostenaufwand für die Anmietung von Büroräumlichkeiten in St. Pölten spreche für den Wiener Standort auch die mögliche Nutzung von Synergien mit den ebenfalls im Gebäude ansässigen Fachabteilungen der Österreichischen Apothekerkammer. „Die Wege sind dadurch kürzer, die Kommunikation direkter“, so Haberfeld.

Den Kostenaspekt ins Treffen führt auch die NÖ Industriellenvereinigung, deren Präsident seit einigen Tagen der St. Pöltner Thomas Salzer ist (die NÖN berichtete). „Die Industriellenvereinigung ist ein privater Verein, wird also aus privaten Beiträgen finanziert“, erklärt Geschäftsführerin Michaela Roither.

Unterm Strich komme der Standort in Wien billiger als es einer in St. Pölten tun würde – zudem würden sich am Schwarzenbergplatz durch die ebenfalls hier angesiedelte Österreichische Industriellenvereinigung viele Synergien ergeben. Auch die letzte Umfrage unter den 400 Mitgliedsbetrieben hätte eine Mehrheit für die Beibehaltung des Wiener Standortes ergeben.

Langfristig eine Option

Langfristig könnte St. Pölten eine Option sein, wenn das Kosten spare. Roither: „Die Industriellenvereinigung trifft Entscheidungen vor allem unter dem Gesichtspunkt der Effizienz und der Effektivität.“ Sollte sich ein Standort als günstiger für den Vereinszweck erweisen, sei eine Übersiedlung nicht ausgeschlossen.

Ebenfalls in Wien bleiben die Landeskammern der Architekten und Ingenieurskonsulenten, der Wirtschaftstreuhänder sowie der Notare.