Erstellt am 04. März 2016, 13:44

von Mario Kern

Wohnraum für Flüchtlinge: "Situation unwürdig". Verein kritisiert private Anbieter wegen desolater Wohnungen.

Am Wochenende hat der Verein »Guarantee on tomorrow« am Rathausplatz auf die Nöte der Flüchtlinge aufmerksam gemacht: 70 Vereinsmitglieder und Besucher haben sich mit Decken vor das Rathaus gesetzt, haben der Opfer in Paris gedacht und über die Situation obdachloser Flüchtlinge in St. Pölten diskutiert. Foto: privat/Matthias Reischer  |  NOEN, Mathias Reischer

„Viele dieser Leute wollen sich integrieren, aber die Gesellschaft lässt es nicht zu“, ist Dominik Paireder enttäuscht. Der Obmann des Vereins Guarantee on tomorrow kritisiert die geringe Bereitschaft vieler privater Eigentümer in St. Pölten, Asylwerbern Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Viele Personen, die wir vor Monaten noch bei uns kurzfristig untergebracht haben, suchen nun verzweifelt Wohnungen.“
Davon gebe es aber viel zu wenig –  und bestehende würden an Asylwerber oft nicht vergeben. „Oder es ist eine Kaution zu bezahlen, die sich diese Menschen nicht leisten können.“ Generell würde mehr leistbares Wohnen die Not lindern, ist Paireder überzeugt.

Der Verein – dessen Mitglieder von Oktober bis Jänner mehr als 250 obdachlosen Flüchtlingen kurzfristig ein Dach über dem Kopf boten – sucht derzeit akut nach Quartieren. Die Bereitschaft von Privatpersonen, Quartiere anzubieten, habe sich in den letzten Monaten massiv verschlechtert, sagt Dominik Paireder. Das sei aber nicht auf die Vorfälle in Köln zurückzuführen, sondern auf das „Versagen von Politikern, die keine Antworten liefern und das Feld populistischen Meinungsmachern überlassen“.
Wenn Asylwerber dann doch in kleinen, billigen Wohnungen unterkommen, seien diese teilweise unter aller Kritik, wie Paireder berichtet: Die Vereinsmitglieder würden immer wieder zu Hilfe gerufen und haben auch jüngst Wohnungen gesehen, in denen es weder Warmwasser noch Heizung gebe. „Da verdienen sich einige Leute am Leid von anderen eine goldene Nase. So etwas ist unwürdig“.

„Problem obdachloser Flüchtlinge gelöst“

Seit Jänner hat sich das Aufgabenfeld von Guarantee on tomorrow verändert, informiert Paireder im NÖN-Gespräch: Die Kurzunterbringungen von obdachlosen Flüchtlingen (sie wären sonst auf der Straße gelandet) nach der Erstabklärung in der Außenstelle des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl seien nicht mehr vonnöten. „Land und Bund haben genügend Platz für diese Menschen geschaffen“, berichtet Dominik Paireder. „Beziehungsweise sind viele in die Grundversorgung gekommen.“
Damit sei ein Problem gelöst, das den Verein drei Monate lang forderte gelöst. Der Verein nimmt zwar immer noch für kurze Zeit Flüchtlinge auf, allerdings geschehe das in koordinierter Kooperation mit der Diakonie, so Paireder.