Erstellt am 15. Januar 2016, 05:08

von Beate Steiner

Wohnung voller Geigen. Gabor Kilyenfalvi baut, restauriert und renoviert Streichinstrumentefür Musiker und für Österreichs Spitzenorchester in seiner St. Pöltner Werkstatt.

Gabor Kilyenfalvi in seinem Verkaufsraum, inmitten seiner Geigen. Sein 20-jähriger Sohn Aron, der in der Tourismusschule maturiert hat, interessiert sich seit einiger Zeit auch für den seltenen Beruf.  |  NOEN, Beate Steiner

Das edle Stück ist rund 300 Jahre alt. Es ist auf eine eigens gegossene Gipsform gebettet, damit es seine Form behält. Das ist nur ein Arbeitsgang von vielen, mit denen Gabor Kilyenfalvi die Risse im Korpus des wertvollen Instruments schließt. „Die Reparatur von Geigen kann sehr aufwendig sein“, sagt der Geigenbauer, „aber das lohnt sich bei alten Stücken.“

Seit 13 Jahren repariert, restauriert und baut Gabor Kilyenfalvi in St. Pölten Geigen, er „ordiniert“ seit Kurzem in einer Werkstatt am Schießstattring, inmitten von über 200 schönen Instrumenten. Etwa 80 hat er zusätzlich ausgeliehen, an Privatpersonen und Musikschüler – klar, dass er eng mit der Musikschule zusammenarbeitet.

Aber auch berühmte Orchester wie die Wiener Philharmoniker, die Wiener Symphoniker und die Niederösterreichischen Tonkünstler zählen zu seinen Kunden, schätzen die professionelle Arbeit des leidenschaftlichen Geigenbauers.

„Geigen haben sich jahrhundertelang nicht geändert – nur die Musik.“ Gabor Kilyenfalvi, Geigenbauer

An die 1.000 Instrumente hat der Meister bisher restauriert, zwölf selbst gebaut. Bis zu 200 Stunden braucht er für die Fertigung einer Geige, 18 Arbeitsschritte sind bei dieser Millimeterarbeit notwendig, die nicht nur enorme Fingerfertigkeit, sondern auch höchste Konzentration erfordert. „Kein Arbeitsschritt wird maschinell, alle werden ausschließlich mit der Hand ausgeführt. Dadurch erhält jedes Instrument eine persönliche Note, ist ein Unikat“, erklärt Gabor Kilyenfalvi und zeigt Teile eines Geigenkorpus. Der besteht aus Ahorn- und Fichtenholz, wird mit Ebenholz vervollständigt. „Da muss eine Harmonie spürbar sein, nicht nur im Klang, auch ästhetisch“, verrät der Meister das Geheimnis wunderbarer Geigen.

Was aber ist das Geheimnis eines guten Geigenbauers? „Er braucht enorme Geduld und viel Ausdauer.“

Beides waren nicht die Stärken des sportlichen jungen Gabor, der im südungarischen Szeged als Sohn einer Musikschuldirektorin geboren wurde und schon im Alter von vier Jahren mit dem Geigenspiel begann. Aber dank seines Lehrers an der Franz Liszt Musikakademie in Budapest, der ihn zwar wenig gelobt, aber viel gefördert hat, ist der nun 56-jährige dreifache Vater in eine Welt eingetaucht, in der er sich seit Jahrzehnten wohlfühlt. Und die ihn deshalb so fasziniert, weil „alles noch so ist und fast alles so gemacht wird, wie vor hunderten Jahren. Die Instrumente wurden nicht verändert – geändert hat sich nur die Musik.“