Erstellt am 10. November 2015, 05:02

von Claudia Stöcklöcker

Zu schnell mit Auto, Prügel für den Lenker. Nachbar ärgerte sich, dass ein Afghane zu flott in der Straße unterwegs war. In der Tiefgarage gerieten sie aneinander.

 |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
Viel zu schnell soll ein Afghane (31) mit seinem Auto in St. Pölten gefahren sein. Als ihn sein türkischstämmiger Nachbar (39) deswegen ansprach, eskalierte die Situation. Auf der Anklagebank sitzen nun beide. Körperverletzung wird dem 39-Jährigen vorgeworfen, gefährliche Drohung dem
Afghanen.

"Alles war blutig, ich war fertig“

„Ich habe mich geärgert, weil viele Kinder unterwegs waren auf der Straße. Ich habe die Autoscheibe runtergekurbelt, er hat mich gleich beschimpft und wollte, dass ich mit in die Tiefgarage komme. Das hab’ ich gemacht“, erzählt der 39-Jährige. Und: „Ich habe gedacht, dass er reden will. Er hat mich aber von hinten geschubst. Ich hab‘ mich umgedreht, er wollte zuschlagen, also hab’ ich selbst zugeschlagen. Getroffen hab’ ich ihn am Auge und bin gegangen.“

Anders die Version des Afghanen: „In der Tiefgarage hat er, glaube ich, einen Elektroschocker ausgepackt. Ein schwarzes Ding, das geblitzt hat. Und plötzlich hat er mich geschlagen. Alles war blutig, ich war fertig“, sagt dieser.

Schluss war damit nicht. Stunden später stand der Afghane vor dem Balkon des Kontrahenten. „‚Komm runter und zahl’ das Auge‘, hat er geschrien. Und später, da war ich bei meinem Auto, da ist er mit dem Messer in der Hand dagestanden und hat gedroht, mich, meine Frau und meine Kinder umzubringen“, schildert der 39-Jährige.

"So etwas macht man nicht.“

Anrainer alarmierten schließlich Polizisten. „Weil solche Menschen sehr gefährlich sind“, meint der 39-Jährige und leugnet vehement, in der Garage einen Elektroschocker zum Einsatz gebracht zu haben.

Warum er ein Messer geholt hat, wird der Afghane gefragt. „Weil der Mitangeklagte geschrien hat, dass er mich totschlagen wird, und ich Angst hatte. Ich konnte zehn Tage nicht arbeiten.“ Mit dem Umbringen habe er nicht gedroht: „So etwas macht man nicht.“

Zur Versöhnung reichen sich die beiden nun die Hände. Die Richterin bietet Diversion an. Nach einer Probezeit von zwei Jahren können die Verfahren eingestellt werden.