Erstellt am 19. Juli 2016, 08:47

von Michaela Fleck-Regenfelder

Otello: Kritik.

Gars. Treue Liebe & tödliche Eifersucht: Alexandra Reinprecht als Desdemona und Michael Baba (noch ohne Perücke) als Otello.  |  NOEN, Podolsky

Dass einer im Wahn seine Frau erwürgt, gibt’s immer wieder. Dazu braucht er kein maurischer Kommandant sein. Dazu braucht er auch keine blutig-aktuellen Bezüge. Und dazu braucht er erst recht kein schwarz angemaltes Gesicht mit kraus gelockter Perücke. Im Gegenteil. Die machen Verdis „Mohrenhoheit“ Otello (auch stimmlich nicht ganz überzeugend: Michael Baba) auf der Garser Burgruine nur noch blasser.

Auch Michael McCafferys Inszenierung in Puffärmeln, Kniestiefeln und den Burgmauern als Bühnenbild braucht bis zum dritten Akt, bis sie packt. Dafür ist Michael Kraus’ Jago ein so dämonischer Intrigant, dass man sich fast fürchten könnte. Und Alexandra Reinprechts Desdemona eine so treu liebende Gattin, wie man sie sich nur wünschen kann.

Fazit: Ein Drama der Gefühle, bei dem der Fähnrich dem Mohren glatt die Show stiehlt.