Tulln

Erstellt am 12. Oktober 2016, 05:19

von Thomas Peischl

Klasse vermisst ihren „Sir Janpreet“. Nach einzelnen männlichen Flüchtlingen wurden in Tulln jetzt auch eine Familie aus Afghanistan und eine aus der Ukraine abgeschoben.

Die 4c der NMS Tulln bastelte eine Abschiedskarte für ihren „Sir Janpreet“. Mit Cornelia Raderer und Nick Mortimore vom Roten Kreuz Tulln sowie ihrer Klassenlehrerin Annemarie Ratteneder (hinten, Mitte, v.l.) besprachen die Schüler die Abschiebung und alle dazu auftauchenden Fragen.  |  NOEN

Ruhig, professionell und unaufgeregt läuft die Flüchtlingsbetreuung in den von der Rotkreuz-Bezirksstelle Tulln gemanagten Quartieren. Ruhig, professionell und unaufgeregt wurden auch die ersten Abschiebungen durchgeführt.

Nachdem einzelne allein geflüchtete Männer ihren negativen Asylbescheid erhalten hatten und abgeschoben wurden, traf es jetzt erste Familien. So etwa unlängst in einer zweiten Stunde in der 4c der NMS 1 Tulln. Direktor Peter Höckner kommt in die Klasse: „Janpreet, bitte pack‘ deine Sachen zusammen und komm‘ mit.“

Auch für Polizei nicht angenehmste Aufgabe

Zwei Polizeibeamte in Zivil erledigen ihre Arbeit freundlich, diskret und ohne Stress in der Schule zu verbreiten. Markus Haindl von der Landespolizeidirektion NÖ dazu: „Unsere Beamten sind ja selbst oft Familienväter und sie versuchen so etwas mit Wahrung der Würde und der humanen Interessen der Betroffenen umzusetzen.“

Janpreet Singh trifft dann wieder auf seinen Vater und seine Mutter. Warum es überhaupt dazu kam? Die ursprünglich aus Afghanistan stammende Familie Singh hatte ihren ersten Fingerabdruck in Italien hinterlassen. Das Asylverfahren muss also dort geführt werden.

Seit Februar hatte Janpreet die NMS 1 Tulln besucht. Klassenlehrerin Annemarie Ratteneder: „Es ist schon ein komisches Gefühl, wir hätten uns zumindest gerne kurz von ihm verabschiedet.“ Der 14-Jährige hatte sich rasch in die Klasse integriert, ein intelligenter, lernwilliger Junge.

Um den Kindern den Abschied zu erleichtern und auftauchende Fragen zu beantworten, bat Annemarie Ratteneder Abteilungsleiterin Cornelia Raderer und Nick Mortimore vom Flüchtlingsbetreuungsteam des Roten Kreuz Tulln in die Klasse.

Die beiden Profis erklärten das System von Erstaufnahmezentren über Dublinverordnung bis zur Grundversorgung, aber auch die Schwierigkeiten.

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe der Tullner NÖN.