Tulln

Erstellt am 02. Dezember 2016, 05:47

von Thomas Peischl

Tullner Helfer wollen Farzads Traum retten. 18-jähriger sunnitischer Afghane musste nach Porin (Kroatien) und hofft, wieder nach Tulln zurückkehren zu können.

Farzad Mohammadi hofft, nach Tulln zurückkehren zu können.  |  NOEN, privat

Die Abschiebungen von Asylwerbern laufen weiter. Unter anderen musste jetzt auch der 18-jährige Farzad Mohammadi Tulln wieder verlassen.

Seine Familie war aus Afghanistan in den Iran geflüchtet, als Farzad noch ein Baby war. In dem mehrheitlich schiitischen Land erlebte er bereits in jungen Jahren jeden Tag, was es bedeutet, als Sunnite einer gesellschaftlichen Minderheit anzugehören. So musste er schon als 13-jähriger Teenager mittels schwerer (Schwarz-)Arbeit mithelfen, das Haushaltseinkommen zu sichern.

Gefährliche Reise in kleinem Boot

Im Alter von 17 Jahren beschloss Farzad, auf sich gestellt die gefährliche Reise nach Europa anzutreten. In einem kleinen Boot erreichte er Griechenland, bei der Durchreise in Kroatien musste er einen Fingerabdruck abgeben (die örtlichen Behörden hatten ihm versichert, dass das keinerlei weitere Folgen haben würde). Vorläufige Endstation seiner Odyssee waren die Wohncontainer in Langenlebarn im Frühling 2016.

Der sportbegeisterte junge Mann schloss sich der Laufgruppe von Hemma Niedl (jetzt seine Vertrauensperson in Österreich) an. Mit großem Ehrgeiz arbeitete er an seinen Deutschkenntnissen und absolvierte schließlich die Aufnahmeprüfung für die HAK Tulln positiv.

Die Freude über die Teilnahme am Unterricht in der Übergangsklasse währte nur kurz: In der ersten Adventwoche wurde Farzad von der Schule abgeholt und in Schubhaft genommen. „Hemma, mein Traum ist so nahe und jetzt muss ich gehen?“, hatte er zu seiner Vertrauensperson gesagt, als er den Abschiebebescheid erhalten hatte. Niedl und einige Freunde organisierten umgehend einen Anwalt, konnten die Abschiebung aber nicht mehr verhindern.

Bedingungen in Kroatien katastrophal

„Seit einigen Tagen ist er als einer von 600 in Porin in Kroatien untergebracht. Die Bedingungen dort sind katastrophal. Aber wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um Farzad zurückzuholen“, berichtet Niedl.