Erstellt am 29. September 2015, 05:52

von Thomas Werth

Bergsteiger droht nach Erfrierung Amputation. Sepp Doppler bangt nach Trip auf den Muztagh Ata um seine große Zehe. Auch in einigen Fingern hat er noch immer kein Gefühl.

Kurz vor dem Aufstieg im Basislager: Herbert Blauensteiner, Walter Lechner, Leo Vogler, Wolfgang Mayr, Peter Stummer, Bernhard Doppler, Sepp Doppler und Markus Hora (von links).  |  NOEN, privat

Eine Liebesbeziehung wird zwischen dem Staasdorfer Sepp Doppler und dem Muztagh Ata, mit 7.546 Metern dritthöchster Berg des Pamir-Gebirges in China, wohl nicht mehr entstehen: Zum bereits dritten Mal erreichte Doppler den Gipfel nicht, im jüngsten Anlauf mussten er und drei Kollegen – darunter auch Volksbank-Direktor Herbert Blauensteiner – knapp 80 Höhenmeter (oder rund einen Kilometer) davor umkehren. „Wir konnten leider witterungsbedingt erst später aufbrechen, wären erst am Gipfel angelangt, wenn es finster geworden wäre und hätten erst gegen 4 Uhr früh wieder das Lager erreicht“, erklärt Doppler, der als Tourenführer dieses Mal beruflich unterwegs war. Einen vierten Versuch wird es voraussichtlich nicht mehr geben. „Ich habe mit dem Berg abgeschlossen.“

Feuchte Socken wurden zum Verhängnis

Doch im Moment ist an eine Bergtour ohnehin nicht zu denken. Denn auch nach etwas mehr als einem Monat leidet Doppler noch an den Folgen von Erfrierungen, die er sich am Muztagh Ata zugezogen hat – bei der großen Zehe am linken Fuß ist eine Amputation weiterhin nicht ausgeschlossen. „Ich muss jeden zweiten Tag zum Arzt“, erklärt der 54-Jährige. Passiert ist es beim Abstieg vom Hochlager auf 6.800 Metern Höhe. „Wir mussten das Zelt abbauen und schauen, dass wir weiterkommen“, erinnert er sich. Dabei dürfte er feuchte Socken angezogen haben, auch die Schuhe waren kalt – bei Außentemperaturen von minus 20 Grad, Wind und Schnee eine gefährliche Kombination. „Im Lager 1 auf 5.400 Meter Höhe konnte ich die Zehe erstmals versorgen“, so Doppler.

"Es hätte alles schlimmer kommen können."

Auch in einigen Fingern hat der Staasdorfer, der im Alter von zehn Jahren die Liebe zu den Bergen entdeckt hat, nach wie vor kein Gefühl. „Aber die Finger werden wieder. Es hätte alles schlimmer kommen können.“

Heuer wird er daher keine Tour mehr planen, 2016 schaut es aber schon wieder anders aus. „Im Februar möchte ich zum 20. Mal auf den Kilimandscharo“, so Doppler, der mit dem Shisha Pangma auch schon einen Achttausender bezwungen hat. „Körperliche Herausforderung, Teamzusammenhalt und Freude an der Natur ziehen mich auf die Berge“, erklärt er.