Erstellt am 19. Juli 2017, 05:40

von Thomas Peischl

AMS-Halbjahresbilanz: Arbeitslosigkeit sinkt weiter . Hans Schultheis ortet positive Grundtendenz, aber Fachkräftemangel bleibt gravierend.

AMS-Chef Hans Schultheis wird nicht müde, immer wieder den hohen Stellenwert von Aus- und Weiterbildung zu betonen.  |  NOEN, Peischl

Neue Bedingungen brachte das Jahr 2017 für das Arbeitsmarktservice Tulln. „Durch den Wegfall der Region Purkersdorf, die jetzt vom AMS St. Pölten betreut wird, haben wir mehr Kapazitäten für Tulln und Klosterneuburg frei“, erklärt AMS-Chef Hans Schultheis.

In der Statistik für das erste Halbjahr sieht er eine positive Grundtendenz: „Die Arbeitslosigkeit im Bezirk sinkt seit Anfang 2017 stetig.“ Die Beschäftigung wäre zwar schon seit der Wirtschaftskrise 2011 kontinuierlich gewachsen, aber nicht genug um die steigende Nachfrage nach Arbeit abzudecken.

„Jetzt ist die Konjunktur tatsächlich angesprungen und für Österreich werden 2,2 bis 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum prognostiziert, das heißt, wir erwarten stark steigende Nachfragen nach Arbeitskräften“, zeigt sich Schultheis optimistisch für die kommenden Monate.

„Geeignete junge Leute kann man eben nicht einfach online bestellen wie so vieles andere heutzutage.“ Hans Schultheis

Machtlos ist das AMS naturgemäß gegen demografische Strukturen. „In der Generation 50+ steigen sowohl Beschäftigung als auch Arbeitslosigkeit“, erklärt der AMS-Chef. Dieser scheinbare Widerspruch erkläre sich dadurch, dass die „Baby Boomer“ heute die größte Erwerbsgruppe am Arbeitsmarkt stellen und zudem später in Pension gehen.

Im Gegenzug sind der starke Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit und die geringe Zahl der Lehrstellensuchenden auf die gerade (und noch länger) präsenten geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen. „Hinzu kommt hier aber auch noch, dass viele, die vor 30 Jahren eine Lehre gemacht hätten und in diesem Bereich erfolgreich gewesen wären, gegenwärtig weiterführende Schulen besuchen“, erläutert Schultheis.

Schwierige Suche nach passendem Personal

Nach wie vor sei es schwierig für Unternehmen, geeignete junge Leute zu finden: „Die kann man eben nicht einfach online bestellen wie so vieles andere heutzutage.“ Das heißt aber auch, dass der Fachkräftemangel in den Bereichen Metall, Elektro, Holz, Gastgewerbe und Fremdenverkehr mittel- bis langfristig gravierend bleibt.

„Ganz wichtig sind daher die Ausbildungspflicht bis 18 und die Ausbildungsgarantie bis 25“, betont Schultheis. Damit könne man erreichen, dass junge Leute nicht in Hilfstätigkeiten landen, sondern doch zu Facharbeitern ausgebildet werden.

„Aus- und Weiterbildung ist und bleibt der entscheidende Faktor“, unterstreicht der AMS-Chef. Nicht umsonst sei die Arbeitslosenquote in der Gruppe, die maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügt, mit 26 Prozent dramatisch höher als bei allen anderen — zum Vergleich: bei Lehre 8,9 %, BMS 4,1 %, AHS 4,5 %, BHS 4,7 % und Uni/FH/Akademie 2,8 %.

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