Erstellt am 01. Oktober 2015, 10:50

von Claudia Stöcklöcker

Züchter leugnet Quälerei. 73-Jähriger leugnet, seinen Hund misshandelt zu haben. Urteil wegen Tierquälerei ist noch offen, Strafe setzt es wegen Bestimmung zu falscher Beweisaussage.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

„Seit 52 Jahren beschäftige ich mich mit Hunden, wenn dann plötzlich kein Tier mehr da ist, bricht eine Welt zusammen“, sagt ein ehemaliger Jagdhundezüchter (73) aus dem Bezirk Tulln im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Ein wahrer Freund seiner Hunde soll er aber nicht gewesen sein.

Roh misshandelt haben soll der Züchter und Jäger seine Tiere, 18 Hunde, darunter zwölf Welpen, wurden ihm abgenommen und ein Hundehalteverbot verhängt (die NÖN berichtete). Dagegen berief der 73-Jährige in einem Verfahren am Landesverwaltungsgericht in Tulln, doch das Hundehalteverbot bleib aufrecht. Vorm Strafrichter sitzt der Mann nun wegen Tierquälerei und versuchter Bestimmung zur falschen Beweisaussage.

Bei einer Jagdhundeprüfung soll der 73-Jährige seinen Vierbeiner gequält haben. „Komplett ausgeschlossen. Ich hab’ ihn zurechtgewiesen“, sagt er. Und: Bei der Prüfung wäre ein „alter, seriöser Prüfer“ gewesen, „wenn der so etwas gesehen hätte, hätte er mich nach Hause geschickt“.

Zeugen belasten. „Brutal hat er auf seinen Hund eingetreten. Der Prüfungskommission habe der Zeuge alles erzählt. Die Reaktion darauf: „Machen s’ nicht viel Wind!“

Ein anderer Zeuge meint. „Die Nase des Hundes hat er tief in den Gatsch gedrückt, auf ihn eingedroschen.“ Ob der Hund gejault hat? Unter Prozesszuhörern gehen Emotionen hoch: „Das traut er sich ja gar nicht, da erschießt er ihn gleich!“

Hund an Ohren gepackt und hochgehoben

Ob er den Hund an den Ohren gepackt und hochgehoben hat? Der 73-Jährige dazu: „Komplett aus der Luft gegriffen.“

Auch zum zweiten Anklagepunkt ist er nicht geständig, und auch hier belastet ein Zeuge: „Alles, was über ein Jahr her ist, brauch’st drinnen nicht erzählen“, habe der Angeklagte von diesem vorm Gerichtssaal beim Verfahren in Tulln gefordert.

Der Verteidiger beantragt Einvernahme des Vorsitzenden der Prüfungskommission, Richter Slawomir Wiaderek scheidet daraufhin Tierquälerei aus diesem Verfahren aus. Wegen der versuchten Bestimmung zu falscher Beweisaussage setzt es fünf Monate bedingt sowie 4.500 Euro Geldstrafe, zahlt der Angeklagte nicht, muss er 90 Tage absitzen (Urteil nicht rechtskräftig).

Schluss ist damit noch nicht. „Das Verfahren wegen Tierquälerei wird weitergeführt“, sagt der Richter.