Erstellt am 17. Februar 2016, 05:54

von Martin Gruber-Dorninger

Biber-Streit am Siedepunkt. Im Bezirk St. Pölten wurde erster Biber geschossen. Fronten der Schützer und Gegner verhärten sich weiter. Die NÖN sprach mit Vertretern beider Seiten.

Bezirksjägermeister Alfred Schwanzer sieht die Biberpopulation skeptisch.  |  NOEN, zVg

Vor etwa 200 Jahren starb der Biber in unseren Breiten aus. Durch Wiederansiedlungsprojekte in den 70er und 80er Jahren in Bayern, am Inn sowie an der Donau im Wiener Raum, bekam der Biber eine zweite Chance. 2016 steht sogar ganz im Zeichen des Nagetiers, denn der Biber ist Tier des Jahres. Nun droht dem Wasserbewohner aber neuerlich Ärger, die Existenz steht wieder auf wackligen Beinen.

Der Biber stand und steht nach wie vor unter Naturschutz. Das Land Niederösterreich verabschiedete im November des Vorjahres eine Gesetzesänderung, wonach der Biber in Härtefällen wieder gejagt werden darf. Dies wurde in der vergangenen Woche in Hafnerbach (Bezirk St. Pölten) das erste Mal schlagend. Das Land NÖ hob den Schutz für Biber an einer bestimmten Stelle auf, die Nagetiere dürfen hier noch bis März abgeschossen werden.

Kaum Verständnis auf beiden Seiten

Das trifft Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes Karl Genau besonders hart: „Der Biber wird gänzlich missverstanden. Er ist eigentlich unser Freund und Partner in der Natur. Er bereichert unseren Lebensraum und nimmt uns nichts weg.“

Bezirksjägermeister Alfred Schwanzer fühlt sich seinerseits oftmals von Naturschützern missverstanden: „Wir dürfen Biber nicht jagen. Wir bieten nur unsere Hilfe an. Falls aufgrund des neuen Gesetzes ein Biber zum Abschuss freigegeben wird, greifen wir ein.“ Für Schwanzer habe in den letzten Jahren das Biberproblem überhand genommen. „Der Biber ist vor 200 Jahren ausgestorben. Nun wurde er wieder angesiedelt, teilweise mit amerikanischen Arten.“

Für Genau ein schwaches Argument: „Wir haben das richtige Zusammenleben mit dem Biber verlernt, darum kommt es oft zu Missverständnissen.“