Erstellt am 21. Oktober 2015, 05:12

von Claudia Stöcklöcker

Die Eltern mit einem Messer attackiert. Auf seine Eltern stach ein 33-Jähriger ein. "In Notwehr" wie er betont. "Ein unzurechnungsfähiger Täter" sagt Ankläger.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Blitzschnell hat er das Messer genommen, wie wild, wie von Sinnen hat er auf uns eingestochen“, erzählte die Mutter eines 33-Jährigen bei ihrer Einvernahme. Mit einem Küchenmesser attackierte ihr Sohn sie und seinen Vater im Elternhaus in Atzenbrugg heuer im März.

„Weil sie keine Ruhe gegeben hat“

Versuchter Mord wird dem 33-Jährigen nun im Prozess am Landesgericht St. Pölten vorgeworfen. Weil der Mann an einer höhergradigen seelischen Abartigkeit leidet, wies ein Geschworenensenat ihn in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ein.

„Es war Notwehr“, erklärt der Mann vor Richterin Andrea Humer. Auf seine Mutter habe er eingestochen, „weil sie keine Ruhe gegeben hat“.

„Er leidet unter dem Asperger-Syndrom"

„Ein unzurechnungsfähiger Täter mit nicht unerheblichem Gefährlichkeitspotenzial“, sagt der Staatsanwalt über den 33-Jährigen. „Er leidet unter dem Asperger-Syndrom, eine Art Autismus, hat Probleme mit Menschen, Probleme, sein Leben in den Griff zu bekommen.“

Was war geschehen? Die Diskussion mit dem Vater über die Reparatur eines defekten Boilers brachte das Fass zum Überlaufen, der 33-Jährige geriet außer Kontrolle.

„Weil er keinen Installateur in der Wohnung haben wollte, wurde er aggressiv. Die Mutter wollte schlichten. Er nahm das Messer aus der Lade, stürmte auf den Vater zu, stach ihn in den Rücken. Dem Sohn sprühte die Mutter Pfefferspray ins Gesicht. Der war aber schon abgelaufen, wirkte nicht. Er wurde noch aggressiver“, so der Ankläger.

„Ein Glück, dass der eine Winterjacke anhatte“

Und weiters: „Die Eltern versuchten, in Todesangst zu fliehen. Da begann der Betroffene die Mutter zu attackieren und wandte sich dann wieder dem Vater zu.“

Zwei Mal stach der 33-Jährige auf die Mutter ein, fünf Mal auf den Vater. „Ein Glück, dass der eine Winterjacke anhatte“, meint der Staatsanwalt, und: „Sein wahnhaft verändertes Realitätsbild berichtigt den Betroffenen, alle Mittel einzusetzen.“

„Es besteht Gefahr, dass wieder etwas passiert, von Körperverletzungen bis zum Mord“, meint ein psychiatrischer Gutachter.

Eine Nachbarin wurde Zeugin der Attacke und sagt: „Ich war gerade beim Lüften und habe grausliche Schreie gehört.“ Und über den 33-Jährigen: „Ein auffälliges Kind war er nie, Probleme mit ihm waren nie Gesprächsthema.“