Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Flüchtlingshilfe und Begegnungszone – Das abgelaufene Jahr im Rückspiegel betrachtet.

Foto des Jahres: Mit anhaltender Trockenheit, extremer Hitze, Windböen und dichtem Rauch hatten Florianis aus dem gesamten Bezirk im diesjährigen Sommer zu kämpfen. Die FF Großweikersdorf etwa hatte einen Traktor zu löschen, der bei Feldarbeiten in Vollbrand geraten war.  |  NOEN, FF Großweikersdorf

Asylsuchende auch im Tullnerfeld

Bereits im Frühsommer werden in Michelhausen und St. Andrä-Wördern Quartiere für Flüchtlinge geschaffen. Auch in Tulln setzt die „Plattform Flüchtlingshilfe“, eine Kooperation der Katholischen Pfarren St. Stephan, St. Severin und Langenlebarn sowie die Evangelische Pfarrgemeinde mit Unterstützung der Stadtgemeinde, alle Hebel in Bewegung, um für Flüchtlinge Unterkünfte zu finden.

Im August öffnen die Rotkreuz-Bezirksstellen Tulln und Großweikersdorf ihre Pforten für Asylsuchende.
Mitte September ist es so weit: Der Flüchtlingsstrom nähert sich dem Bezirk. Kurzfristig werden die Tullner Messehallen 6 und 8 zu Notquartieren. Dank Messe AG und Rotem Kreuz Tulln, das für die Verpflegung und medizinische Versorgung verantwortlich zeichnet, können dort bis zu 900 Flüchtlinge – Männer, Frauen und Kinder – aufgenommen und betreut werden.

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist groß, viele Freiwillige wollen helfen und melden sich zum menschlichen Dienst. Der Tullner Stadtrat beschließt, verteilt an fünf Standorten Wohncontainer aufzustellen.
Am 8. Oktober findet im Atrium des Minoritenklosters ein großes Benefizkonzert mit rund 150 Musikern (das Jugendsymphonieorchester Tulln und mehrere Chöre) statt. Auch im Bezirk gibt es zahlreiche Benefizveranstaltungen, unter anderem Konzerte in St. Andrä-Wördern, Königstetten und Königsbrunn.
 

Weltrekordversuch erfolgreich

Über 20.000 ineinander verflochtene Holzspatel fliegen in der Turnhalle des Bundesschulzenrums am 30. März in einer Kettenreaktion durch die Luft. Das Team, das sich aus jungen Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammensetzt, darf jubeln als der Notar bestätigt: Der alte Weltrekord von 18.000 Spatel wurde weit übertroffen.

Schon im Vorjahr wollte man den Rekord brechen. Das scheiterte daran, dass der Aufbau eine Woche in Anspruch nahm. Diesmal soll es anders sein und so will man dieses Jahr einen einzigen Tag zum Aufstellen benötigen. 20 Leute, die als achtfache Guinness Weltrekordhalter im Domino-Toppling mit Rekorden bestens vertraut sind, geben sich dabei reichlich Mühe.

Als es dann so weit ist, verfolgen sie angespannt, wie die einzelnen Hölzchen, der Vorschrift nach, in die Höhe springen und dürfen abschließend den erreichten Weltrekord zur Kenntnis nehmen. Damit ist der Eintrag ins Guinness Book of Records als „Largest Stickbomb“ gesichert.
 

Pfarrer und Kaplan verlassen Tulln

Pfarrer Nikolaus Vidovic und Kaplan Matthias Martin überraschen im Mai ihre Schäfchen mit der Absicht, die Pfarre St. Stephan zu verlassen. Kaplan Martin, der schon immer nach Amerika will, übersiedelt im August in das Bistum Dallas im US-Bundesstaat Texas. In der Pfarre St. Patrick, die auch über eine Schule verfügt, kommt er vorerst zum Einsatz. Als jahrelanges Mitglied der Österreich-Amerikanischen Gesellschaft ist der Geistliche schon mehrmals über den Großen Teich gereist und ist insbesondere mit den texanischen Verhältnissen bereits bestens vertraut.

Mit 1. September kehrt Pfarrer Vidovic in den Orden der Franziskaner zurück. Er will wieder Evangelisation und Spiritualität, auf die er großen Wert legt, leben und weitergeben. Vidovic befindet sich gerne in der Gemeinschaft seines Ordens, wo er auch Exerzitien abhalten und geistlicher Begleiter sein will. Sein Nachfolger als Pfarrer von St. Stephan ist Krysztof Kowalski.
 

Vertrag für das City-Hotel steht

Nach dem gescheiterten SREC-Projekt bekräftigen im Jänner Investor Herbert Pinzolits und Immobilien-Entwickler Christian Guzi per Vertrag ihre Absicht, auf dem Grundstück der ehemaligen Landesfeuerwehrschule ein City-Hotel zu errichten beziehungsweise auch zu betreiben. Bis Anfang 2017 soll das Haus der Kategorie 3-Sterne Plus fertiggestellt sein.

Baumaschinen fahren vorerst jedoch keine auf. Archäologen sind die einzigen, die auf der Baustelle aktiv sind. Lediglich im Hintergrund läuft ein Streit zwischen den Parteien. Es geht, wie zumeist, ums liebe Geld, unter anderem über das Treuhandkonto für den Hotelvertrag. Ende November sind die archäologischen Arbeiten abgeschlossen. Gefunden wurden Römergräber, die etwa auf das 2. bis 4. Jahrhundert zurück datieren sowie Siedlungshinterlassenschaften und Reste der nordseitigen mittelalterlichen Stadtbefestigung. Noch in diesem Winter soll mit dem Bau des Hotels begonnen werden.

Indessen will die Kritik der Opposition – vor allem Ungereimtheiten bei der Finanzierung betreffend – nicht abreißen.
 

Innenstadt wird zur „Begegnungszone“

Gegenseitige Rücksichtnahme ist seit 15. Juni in weiten Teilen der Tullner Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer verpflichtend vorgeschrieben.

Nachdem sich das Projekt bereits in der Brüdergasse bewährte, beschließt der Gemeinderat im Rahmen einer Sitzung im Mai einstimmig, die verkehrsberuhigte Zone auf die gesamte Innenstadt auszudehnen.
Während das Miteinander von Autofahrern, Fußgängern und Gastgartenbesuchern gut angenommen wird, zeigt man sich in der Bevölkerung über die im Bereich der Innenstadt auch an Sonntagen geltende Parkverbote wenig erfreut.

Nach einer sonntäglichen Strafzettelaktion seitens der von der Stadtgemeinde bestellten Parksheriffs gehen die Wogen schließlich hoch. Doch die Stadt bleibt bei ihrem Beschluss: Das Parkverbot gilt für die gesamte Woche. Lediglich zehnminütiges Halten ist erlaubt.

Der Sinn dahinter sei, dass die Gäste lediglich einen kurzen Kaffeehausbesuch oder schnelle Einkäufe tätigen können, aber bei einem längeren Aufenthalt die Tiefgarage nützen sollen. Zugeständnis der Verantwortlichen: Die Beschilderung wird mit der Aufstellung von Verkehrszeichen und Infotafeln verbessert.

Der Tullner Hauptplatz soll so zur Flanierzone werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer bereits eingespielt.
 

Tod eines jungen Hundes gibt Rätsel auf

Monsterfisch, ominöse Unterwasserströmungen oder gesundheitliche Probleme des Hundchens – wie die neun Monate alte Bulldogge „Spike“ im trüben Wasser eines Donaualtarmes ausgerechnet in der Hundeauslaufzone an der Tullner Donaulände ums Leben gekommen sein könnte, entfacht Mitte Mai unter Hundebesitzern, Fischern und Ortskundigen heftige Diskussionen über mögliche Ursachen.

Spike war plötzlich im Zuge eines Spazierganges bei einem Bad in dem stehenden Gewässer vor den Augen seines Frauchens sowie deren Kinder und Freunden wie von Geisterhand unter Wasser gezogen worden. Eine Zeit lang bleibt er wie vom Erboden verschluckt. Zwei NÖN-Mitarbeiter stoßen schließlich bei Recherchearbeiten vor Ort in Ufernähe auf die Leiche des Hundes. Da das Tier nicht obduziert wird, wird das Rätsel über die Todesursache wohl für immer ungelöst bleiben.

Relativ klar hingegen die Diagnose des Tierarztes bei „Boomer“. Der sechsjährige Schäfermischlingsrüde aus Sitzenberg-Reidling verendet Ende Oktober an akutem Nierenversagen nach tagelangen schrecklichen Qualen – höchstwahrscheinlich verursacht durch einen Giftanschlag. Der Hund muss eingeschläfert werden. In Judenau wird die nicht einmal ein Jahr alte Labradorhündin „Mia“ der Familie Öhner zum Opfer durch ein über den Gartenzaun geworfenes Giftpaket.
 

Zerkarienplage im Aubad

Gäste beschweren sich bereits im Frühsommer nach dem Besuch der beliebten Freizeiteinrichtung über einen juckenden Hautausschlag. Schuld sind sogenannte Zerkarien.

Diese Saugwurmlarven gelangen über den Entenkot in das Wasser, benützen den Menschen „irrtümlich“ als Zwischenwirt und sorgen so für einen unangenehm juckenden, rötlichen Hautausschlag, der jedoch nach wenigen Tagen wieder abklingt.

Die Stadtgemeinde lässt Informationstafeln aufstellen, die die Badegäste über Maßnahmen zur Vermeidung eines Zerkarienbefalles instruieren.
 

Naturkatastrophen

Seit über 100 Jahren standen auf der Ortsdurchfahrt von Reidling ein Linden- und ein Kastanienbaum friedvoll nebeneinander, jetzt muss die Linde allein ihr Dasein fristen. Die als Naturdenkmal angesehene und bewunderte Kastanie wird am 9. Juli von einem heftigen Windstoß zu Fall gebracht, wobei der alte Baumriese einen angrenzenden Stadel beschädigt und eine Laterne unter sich begräbt.

Die Freiwillige Feuerwehr Reidling rückt aus, um den umgestürzten Baum von der Fahrbahn zu entfernen. Verletzt wird zum Glück niemand. Bereits am 6. Mai richtet ein Unwetter schwere Schäden im Gemeindegebiet von Großweikersdorf an. Insgesamt 35 Einsätze sind zu bewältigen. Die Feuerwehren Großweikersdorf, Tiefenthal, Hippersdorf und Ottenthal stehen fast 24 Stunden im Einsatz. Arg betroffen auch die Ortschaft Ruppersthal, wo gewaltige Wassermassen durch die Hauptstraße schießen.

Seitens der Marktgemeinde Großweikersdorf werden unmittelbar nach den Unwetterschäden Planungen für einen wirksamen Überflutungsschutz in Auftrag gegeben.
 

Heiß umfehdet, wild umstritten: Wagram-Stupa und Windräder

Am Wagram gehen in der zweiten Jahreshälfte die Wogen wegen eines geplanten Stupa-Baus hoch. Das buddhistische Gebets- und Meditationszentrum soll im Schnittbereich Wagram, Feuersbrunn und Engabrunn inmitten von Weingärten errichtet werden.

Die Bevölkerung fühlt sich übergangen. Die „Initiative Rettet den Wagram“ läuft gegen das Projekt Sturm. Kritik der Stupa-Gegner: Drohendes erhöhtes Verkehrsaufkommen und Zerstörung von Kulturlandschaft.
Doch die Proteste verlaufen im Sand: Der Bau ist bereits behördlich genehmigt.

Widerstand gibt es auch südlich der Donau. Hier sind es Windräder, die am Seelackenberg bei Traismauer errichtet werden sollen und die in und um Sitzenberg-Reidling für anhaltende Proteste sorgen. Der Gemeinderat setzt das Thema auf die Tagesordnung seiner Sitzung, denn, man will eine Verschandelung der Region verhindern.

Eine private Initiative veranstaltet Protestaktionen, da man gesundheitliche Schäden und Verlust der Lebensqualität durch den geplanten Windpark im Traisental befürchtet.
 

Aus für Dürnrohr, bauMax und Tomorrow

Die EVN beschließt, nach der Stilllegung des Verbundblockes mit der Schließung des EVN-Blockes das Kohlekraftwerk in Dürnrohr, endgültig dicht zu machen.  Dafür wäre das Jahr 2025 vorgesehen.
Erfüllt diese Entscheidung die einen mit Unbehagen (Stichwort „Arbeitsplätze“) könnte der Zeitpunkt der Stilllegung für andere durchaus schon früher stattfinden.

Dies wäre laut EVN nur dann möglich, wenn schon vor dem Jahre 2025 ausreichend Speicherbatterien für erneuerbare Energien in den Regionen zur Verfügung stünden. Das nächste Aus betrifft bauMax im Gewerbegebiet von Langenrohr. Viele Wochen bleibt der Markt wegen Umbaus geschlossen. Aus bauMax wird schließlich eine Filiale des deutschen Bauriesen OBI. Am 7. Dezember erfolgt die Eröffnung.

Ein weiteres Aus gibt es für das Musikfestival Tomorrow, das bisher drei Mal Massen an Besuchern auf das Gelände bei Zwentendorf lockte. Heuer bleiben jedoch die Tore zum Areal des nie in Betrieb gegangenen Atomkraftwerkes verschlossen. Grund dafür ist ein Insolvenzverfahren, das über die Veranstalter eröffnet wurde. Auch vermutlicher Konsum von Drogen durch die Festivalbesucher wird als Ursache angegeben.

Hausherr EVN ist zuversichtlich, dass das Festival nach der Pause 2015 im kommenden Jahr wieder veranstaltet wird.
 

Zitate des Jahres

„Die Menschen, die da kommen, sind Menschen wie Sie und ich. Aber sie haben alles verloren und wollen einfach nur ein neues Leben.“
Michael Weissmann, Bezirkskommandant des Roten Kreuzes, über Asylwerber

„Nicht als Geist, sondern geistig werde ich dem Museum weiterhin zur Verfügung stehen.“
Der scheidende Direktor des Tullner Römermuseums, Roderich Geyer.

„Ich glaube, die Wagramhalle brennt.“
Hallenwart Helmut Heiss am Telefon zu Bürgermeister Wolfgang Benedikt, als er den Glimmbrand im Inneren des Gebäudes entdeckte – damals ist man haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschrammt.

„Nur Leute, die selber Musik machen, sind ganze Menschen.“
Moderator Robert Ziegler beim Konzert zum Jubiläum „50 Jahre Musikschule Tulln“.

„Den müsst ihr euch als Bürgermeister behalten. Der kann richtig gut tanzen.“
Hermine Ostertag, Ehrenbezirksobfrau des Tullner Seniorenbundes, kam ins Schwärmen nachdem sie mit dem Großweikersdorfer Bürgermeister Alois Zetsch auf einer Ballveranstaltung einen rasanten Fox aufs Parkett gelegt hatte.
 


2015 nahmen wir Abschied von ...

... Josef Eichinger aus St. Pölten. Nach schwerer Krankheit ist Josef Eichinger im 88. Lebensjahr verstorben. Der unter anderem auch in Tulln als Kaplan eingesetzte Josef Eichinger war von 1978 bis 2014 Herausgeber der NÖN und von 1983 bis 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrates des NÖ Pressehauses. Von 1978 bis 2014 war er als Obmann an der Spitze des Pressvereins der Diözese St. Pölten gestanden. Bis zuletzt leitete er noch die St. Pöltner Kirchenzeitung „Kirche bunt“.

... Friedrich Gwiß aus Tulln. Der ehemalige Tullner Postenkommandant war ein Gendarm mit Leib und Seele und einer der ersten „Weißen Mäuse“. Er starb am 10. Juli.

... Wolfgang Tasler aus Wilfersdorf. Der engagierte Pädagoge und beliebte Vortragskünstler verstarb am 28. Mai im 63. Lebensjahr nach langer, mit viel Geduld ertragener Krankheit.

... Wolfgang Bierbaumer aus Tulln.  Verstorben ist der gelernte Textilkaufmann, der mit dem Verkauf von Bildern Menschen in der Dritten Welt unterstützte. Er hat weit über 1.000 Staroperationen finanziert und damit ebenso vielen Blinden ihr Augenlicht wiedergegeben.

... Ernst Kargl aus Zwentendorf. Er verstarb als jahrzehntelanges Mitglied der FF Kleinschönbichl und des Musikvereins Zwentendorf im Jänner.

... Heinz Meischl aus Zwentendorf. Der Gemeindepolitiker war auch Obmann des Vereins „Seeanlage Maria Ponsee“ sowie des Pensionistenverbandes und verstarb im Februar.

... Hans Leinfellner aus Zwentendorf. Er war Spieler und Funktionär des SV Zwentendorf und bis zuletzt Gönner und fleißiger Helfer. Er wurde im Juni zu Grabe getragen.

... Gerhard Brunner aus Rappoltenkirchen. Im Alter von 71 Jahren ist Brunner plötzlich und unerwartet verstorben. 30 Jahre war er Mitglied der örtlichen Feuerwehr, davon 15 Jahre als Kommandant. Zudem engagierte er sich in Vereinen und in der Dorfgemeinschaft.

... Walter Mayer aus Heiligeneich. Der pensionierte Volksschuldirektor ist im Februar mit 79 Jahren gestorben.

... Josef Keiblinger aus Trasdorf.  89-jährig starb im Oktober der Altbürgermeister und Ehrenträger der Marktgemeinde Atzenbrugg.

... Walter Kettinger aus Kirchberg. Er ist am 29. November im 81. Lebensjahr verstorben. Der Ehrenbrandrat und allseits beliebte Feuerwehrfunktionär prägte eine ganze Ära des Feuerwehrwesens in Kirchberg. Die Feuerwehr war neben seiner Zimmerei, dem Sägewerk, der Familie und der Gemeindepolitik sein Lebensinhalt.