Erstellt am 16. Juni 2016, 12:00

von Martin Gruber-Dorninger

Die Zukunft des Automobils ist holzig. Holz ist leicht und hat vergleichsweise ideale Eigenschaften. Eine Forschungsgruppe testet Naturstoff für Industrie. TULLN / 

 |  NOEN, zVg

Holz ist ein ganz besonderer Baustoff, mit mannigfaltigen Einsatzmöglichkeiten. Dass Holz aber wieder ein Comeback in der Automobilindustrie feiern soll, schien lange als illusorisch. Doch eine Forschergruppe der BOKU im Technopol straft alle Zweifler Lügen.

Holz ist ein Hochleistungswerkstoff und durchaus einsatzbar im strukturellen Fahrzeugbau. Davon ist vor allem Holztechnologe Ulrich Müller überzeugt, der auch die Vorzüge des Naturstoffs hervorhebt: „Es ist leicht und dabei vergleichsweise fest und steif. Bezieht man die mechanischen Kennwerte auf die Dichte, so ist Holz konkurrenzfähig mit Stahl und anderen Hochleistungswerkstoffen.“ Holz sei außerdem der einzige Massenwerkstoff der der Menschheit nachhaltig zur Verfügung steht. Damit käme Holz auch in den Fokus für neue Anwendungen, so Müller.

„Holz hat sicher eine bessere Ökobilanz als die meisten sonst eingesetzten Materialien und lässt sich in der Zwischenzeit hervorragend ,engineeren’ und für verschiedene Anwendungsfälle optimieren“, ist Müller begeistert. Die Idee Holz in der Automobilindustrie erneut zu etablieren kam der Forschungsgruppe im Zuge eines Qualifizierungsnetzwerks. Dabei wurden Experten aus dem Automobilbereich und der Holzbranche zusammengebracht. „An dieser Qualifizierungsmaßnahme war ich maßgeblich beteiligt. Darin wurde die Idee entwickelt, beide Branchen und auch die Forschung zusammenzubringen“, erklärt Müller. Der Unterboden, Rücksitzwand und Amaturenträger sind die ersten Einsatzgebiete für Holz.

Tulln als idealer Standort für Forscher

Den Technopol Tulln sieht Müller als nahezu idealen Standort. „Ich war bereits vor der Übersiedlung des Instituts für Holztechnologie und Nachwachsende Rohstoffe ein starker Verfechter einer Clusterung von Forschungsgruppen die sich mit Holz und Nawaros (Nachwachsende Rohstoffe) beschäftigen“, hat die Entwicklung der letzten Jahre am Standort Tulln die Erwartungen Müllers sogar übertroffen. Die Nähe zur Industrie und die Zusammenarbeit mit ambitionierten Kollegen seien die großen Stärken dieses Konzepts. „Die hervorragenden Verhältnisse der zur Verfügung gestellten Infrastruktur am UFT, sind zusätzlich stimulierende und unterstützende Faktoren für eine hervorragende Forschungsarbeit am Campus Tulln“, sieht Müller nach oben hin keine Grenzen gesetzt.