Erstellt am 11. November 2015, 05:02

von Thomas Peischl

Dürnrohr noch bis 2025. Grüne plädieren für vorzeitige Abschaltung. EVN-Sprecher verweist auf Versorgungssicherheit. Bürgermeister bangt um Arbeitsplätze und Energie-Unabhängigkeit.

 |  NOEN, EVN

Vor der Welt-Klimakonferenz in Paris tourt die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner, zu den „größten Klimasündern des Landes“. Diese Reise führte sie auch nach Dürnrohr, wo sie gemeinsam mit Klubobfrau Helga Krismer und Wirtschaftssprecher Constantin Gessner für die ehest mögliche Schließung des Kohlekraftwerks eintrat.

„Das Jahr 2025, wie von der EVN vorgesehen, ist viel zu spät“, meint Brunner. Man müsse ein Kraftwerk nicht bis zu seinem technischen Ende nützen, Dürnrohr wäre dann 38 Jahre in Betrieb gewesen. Krismer verweist auf das im Landtag im gemeinschaftlichen Schulterschluss über die Parteigrenzen hinweg beschlossene Klimaziel: „Bis 2020 soll Niederösterreich 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien bewältigen.“ Die EVN-Ankündigung, das Kohlekraftwerk bis 2025 abzuschalten, sei „eine schöne Karotte, um das Ziel zu erreichen, aber jeder Monat früher ist ein Gewinn für Niederösterreich“.
 

EVN-Pressesprecher Stefan Zach betont hingegen, dass das Kraftwerk Dünrohr derzeit noch unverzichtbar sei, um den EVN-Kunden Versorgungssicherheit garantieren zu können. „An Spitzentagen werden in Niederösterreich bis zu 180 Megawatt aus Photovoltaikanlagen und 1.050 Megawatt aus Windkraft eingespeist“, so Zach.

Speicherbatterien für Photovoltaik

Aber an einem trüben Tag wären es lediglich 10 Megawatt aus Photovoltaik sowie 60 aus Windkraft. „Und wenn an einem kalten Wintertag der Strom ausfällt, sind wir verantwortlich“, sagt Zach. Eine frühere Abschaltung von Dürnrohr wäre nur dann möglich, wenn schon vor 2025 ausreichend Speicherbatterien für erneuerbare Energien in den Regionen zur Verfügung stünden.

Mit Unbehagen erfüllt die Entwicklung Bürgermeister Hermann Kühtreiber: „Mit der Stilllegung des Verbundblocks haben wir schon 70 Arbeitsplätze verloren. Jetzt ist auch das Ende des EVN-Blocks absehbar.“ Das wäre nicht nur für die Gemeindeeinnahmen ein harter Schlag. Noch in den 80er-Jahren habe niemand für möglich gehalten, dass derartige Zentralanlagen einmal in Gefahr wären.

Kühtreiber bangt auch um die Energie-Unabhängigkeit. Wenn die Entwicklung von Alternativen nicht rasch genug ginge, wäre man auf Import angewiesen: „Dann müssen wir nehmen, was am Markt ist — auch Atomstrom. Und was Wasserkraft betrifft: In diesem heißen Sommer waren im Donaukraftwerk Altenwörth meist nur zwei von neun Turbinen in Betrieb.“

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