Erstellt am 08. Oktober 2015, 05:42

von Thomas Peischl

Familie Abbas hilft selbst Syrern in Not. Ghassan Abbas, beliebter Tullner Pizza-Wirt,übersetzt für Asylwerber und hat auch eine Familie aufgenommen.

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Ghassan Abbas geht es gut. Er ist 50 Jahre alt und betreibt eine beliebte Pizzeria am Minoritenplatz in Tulln. Seine syrischen Wurzeln vergaß er dennoch niemals, und so hilft er auch in der aktuellen Flüchtlingsnot, so gut er kann.

Seit 1996 in Tulln

Anfang 1994 war er selbst aus Deir ez-Zor, einer Stadt im Osten Syriens, nach Österreich gekommen. In Wien lernte Ghassan Abbas das Handwerk des Pizzakochs, nur zwei Jahre später machte er sich in Tulln mit seiner eigenen Pizzeria selbstständig. Im Oktober 2016 wird das 20-jährige Bestehen des Lokals gefeiert.

„Ja, wichtige Ereignisse passieren bei mir offenbar immer im Oktober“, schmunzelt Abbas. Mit Politik hat er eigentlich rein gar nichts am Hut: „Da bin ich absolut neutral.“ Aber angesichts der Not vieler seiner ehemaligen Landsleute kann und will er nicht untätig zusehen.

„Kleider- und Geldspenden organisiere ich schon seit drei Jahren“, berichtet Abbas. Vor einem Monat bekam er dann einen Anruf aus einem Wiener Aufnahmezentrum, dass eine fünfköpfige Familie (Vater, Mutter und drei Kinder im Alter von vier, acht und elf Jahren) aus der näheren Umgebung seiner Geburtsstadt dringend ein neues Zuhause brauchte.

"Es gab keinerlei Unterstützung für sie“

Drei Jahre mussten sie sich in der Türkei durchschlagen. „Dort verbrauchten sie auch noch das bisschen Geld, das sie aus ihrer Landwirtschaft in Syrien übrig hatten. Es gab keinerlei Unterstützung für sie“, berichtet Abbas. Da habe er nicht lange gezögert: „Sie wohnen jetzt in meinem Haus in Tulln. Sie sind für alles offen und wollen sich nur in Ruhe und Frieden irgendwo ein neues Leben aufbauen.“

Unterstützt wird Abbas von seiner Frau Boba (sie ist übrigens gebürtige Bosnierin) und Bruder Amar, der genau wie er selbst auch als Dolmetscher zwischen Helfern und Asylwerbern aushilft.