Erstellt am 24. März 2016, 10:03

von Claudia Stöcklöcker

Freispruch: Kopfschuss war Notwehr. Schritte auf der Treppe rissen 37-Jährigen aus dem Schlaf. Einem Einbrecher schoss er dann in den Kopf und landete vorm Richter. „Der Schuss war gerechtfertigt“, sagt dieser nun.

 |  NOEN, APA (dpa)

Dramatische Szenen spielten sich am 15. Mai 2015 um drei Uhr früh in Zwentendorf ab. Ein Hausbesitzer ertappte einen Einbrecher auf frischer Tat und streckte ihn mit einem Kopfschuss nieder.

Der Kriminelle, ein 27-Jähriger aus dem Bezirk, brach - wie berichtet - zunächst in die ans Wohnhaus angrenzende Firma ein. Aus dem Büro stahl er einen Schlüssel für das Wohnhaus, mit diesem gelangte er in das Innere des Hauses.

Durch Geräusche geweckt, nahm der Hausbesitzer (37) seine Glock aus dem Nachtkästchen und schrie mehrmals „Kommt’s nicht rauf, ich schieße!“ Weil aber die Schritte lauter wurden, gab er einen Warnschuss in eine Kommode ab.

Im Dunkeln sah er dann eine Silhouette auf der Treppe näher kommen. Ungezielt schoss er ein zweites Mal und traf den Einbrecher in den Kopf.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung unter irrtümlicher Annahme einer Notwehrsituation landete der 37-Jährige auf der Anklagebank. Laut Staatsanwaltschaft habe er auf einen Fliehenden geschossen und hätte vorher Licht machen sollen.

„Ich habe um mein Leben und das meiner Frau gefürchtet“, erklärte der Mann bereits im Jänner vorm Richter. Der Prozess wurde damals vertagt.

Angeklagter musste mit einem Angriff rechnen

Nun steht für Gerichtsmediziner Wolfgang Denk fest: „Der Einbrecher kann nur die Treppe hinaufgegangen sein. Die Einschussstelle befand sich im linken Schädelbereich, die Ausschusswunde vor dem linken Ohr. Das kann nur durch eine Aufwärtsbewegung entstanden sein.“ Richter Slawomir Wiaderek spricht den 37-Jährigen frei.

„Der Schuss war gerechtfertigt. Der Angeklagte wurde aus dem Tiefschlaf gerissen, sah, dass der Angreifer keine Anstalten macht, das Haus zu verlassen. Im Gegenteil, er bewegt sich auf ihn zu. Der Angeklagte ist davon ausgegangen, dass unmittelbarer Angriff bevorsteht. Der Vorwurf, dass er in dieser Situation das Licht nicht aufgedreht hat, ist völlig lebensfremd“, begründet er.

Für den Einbrecher setzt es 18 Monate teilbedingt, sechs Monate davon hinter Gittern. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.